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Weißrussland-Austausch 2008/09: Berichte |
1. Allgemeines
Weißrussland, auch Belarus genannt, ist das einzige Land in Europa, das noch unter einer Diktatur lebt. Sein jetziger Präsident ist Alexander Lukaschenko, der im Sommer 1994 mit über 80% der Wählerstimmen aus der Stichwahl hervor ging und auch dieses Jahr wieder gewann, obwohl man sich nicht ganz einig ist, ob die Wahl demokratisch abgelaufen ist oder nicht.
Er steht also schon 14 Jahre im Amt und seit er an der Macht ist, hat er das Land zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Er sorgt für Stabilität, weshalb ihn auch viele Menschen mögen. Doch er hat nicht nur gute Seiten, denn er verhaftet alle, die nicht seiner Meinung sind und sperrt diese hinter Gitter. Er verbietet außerdem freie Berichterstattung im Fernsehen und in der Presse.
Ein weiteres Problem ist, dass durch die Politik und den Präsidenten die Meinungsfreiheit und Pressefreiheit der Bevölkerung sehr eingeschränkt wird.
Viele Leute leiden deshalb auch sehr unter ihrem Präsidenten. Sie haben zwar genug zu essen und ihre Kinder können zur Schule gehen, dennoch ist ein Durchschnittslohn von umgerechnet 490€ pro Monat für viele nicht ausreichend dadurch kommt es zu immer kleiner werdenden Familien.
2. Die Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit in Weißrussland ist sehr gering. Nach Angaben der weißrussischen Regierung lag sie 2007 bei etwas über 1% (davon rund 80% Frauen). Jedoch wird von Experten die tatsächliche Rate höher eingeschätzt.
Der Grund für einen so niedrigen Arbeitslosenanteil ist die von der Regierung vorgezogene Planwirtschaft. Im Gegensatz zur Marktwirtschaft ist bei der Planwirtschaft nämlich der Staat im Besitz vieler Firmen und Fabriken. Er bestimmt, was und wie viel produziert werden soll. Alle Menschen müssen arbeiten, zur Not auch in Berufen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Auch Bauern müssen dass auf ihren Feldern anbauen, was ihnen vom Staat vorgeschrieben wird.
Auf diese Weise schafft es das Land, sich mit den meisten und nötigsten Dingen selbst zu versorgen.
3. Probleme innerhalb der Familie
Wie schon erwähnt, haben viele Familien in Weißrussland nur ein geringes Einkommen. Viele Familien können sich durch Eigenanbau von Gemüse und Obst zum größten Teil selbst versorgen, sodass sie weniger Geld für Lebensmittel ausgeben als hier zu Lande. Außerdem sind Lebensmittel dort billiger, als zum Beispiel in Deutschland, da dort viele Produkte im eigenen Land hergestellt werden. Die Unterschiede zwischen arm und reich fallen in den Städten hauptsächlich durch die Wohnungen und Wohnbedingungen auf. Es gibt zum Beispiel in Molodetschno Wohngebiete, in denen sehr viele Einfamilienhäuser stehen, mit größerem Grundstück und Autos. Andererseits gibt es aber auch Wohngebiete, in denen viele heruntergekommene Hochhäuser stehen, die sehr dreckig und düster wirken.
Wenn man Leuten auf der Straße begegnet, merkt man erst einmal überhaupt nicht, unter was für Lebensbedingungen sie leben, da alle sehr gastfreundlich und nett sind. Als Gast bekommt man in den Familien alles, was diese zu bieten haben. Gastfreundschaft genießt bei ihnen eine sehr große Bedeutung.
4. Probleme in der Jugend (Schule)
Viele Eltern denken, dass wenn sie ihr Kind in die Schule gebracht haben, die Lehrer sich hauptsächlich um ihre Kinder kümmern. Tatsächlich ist es die Aufgabe der Lehrer, die Freizeit der Schüler zu planen, so dass sie nicht anfangen zu rauchen (was ab 18 Jahren erlaubt ist) oder nicht schon als Kind oder Jugendlicher anfangen, viel Alkohol zu trinken. Der Alkoholismus und der Drogenkonsum stellen ein großes Problem dar und sie nehmen vor allem im städtischen Umfeld ein kritisches Ausmaß an.
Die Lehrer bieten nachmittags Sportspiele an oder sie schicken die Kinder auf Sport- Musik- oder Kunstschulen.
Auch abends müssen die Lehrer nach 22:00 Uhr durch die Stadt gehen und ihre Schüler von den Straßen “einsammeln”. Wenn ein Jugendlicher durch Fehlverhalten auffällt, muss in erster Linie die Lehrerin oder der Lehrer dafür gerade stehen.
5. Interview mit einer Deutschlehrerin der Mittelschule No. 4
Frage : Was muss ein Lehrer als Klassenlehrer alles machen?
Antwort:
- er muss die Schüler nach 22:00 Uhr von den Straßen einsammeln und nach Hause schicken.
- er muss zu den Schülern nach Hause gehen und gucken unter was für Lebensbedingungen sie leben.
Frage: Hatten Sie schon mal ein Problem mit einem Schüler, der sich schlecht verhalten hat?
Antwort:
Ja, ich war vor ein paar Jahren Klassenlehrerin einer 11. Klasse. Es gab in der Klasse einen Jungen, der sich abends mit einem Mann in der Stadt geschlagen hat. Ich wurde danach genauestens befragt, was ich zu jenem Zeitpunkt gemacht hatte und ich musste viele Formulare zu diesem Abend ausfüllen. Letztendlich wurde mir mein Zuschussgeld (Prämie) für 2 Monate gestrichen.
6. Problem mit Alkohol (eigener Eindruck)
Am ersten Abend, als wir uns in der Stadt getroffen haben, war ich zunächst sehr geschockt, da unglaublich viele Jugendliche in der Stadt herumsaßen und Bier, Wodka und anderes in sich “reingeschüttet” haben. Es kam auch öfters vor, dass in Zügen oder Bussen betrunkene Leute saßen, die einen doof anguckten oder kaum noch etwas wahrgenommen haben.
Das Vorurteil, dass Russen viel trinken, hat sich für mich dadurch bestätigt.
7. Gesamteindruck
Mir hat der Austausch sehr gut gefallen, weil die Menschen in Weißrussland alle sehr gastfreundlich, hilfsbereit und nett sind.
Es war eine schöne Erfahrung, denn ich wusste vor dem Austausch noch so gut wie gar nichts über Weißrussland und bin sozusagen ins “Ungewisse” gefahren, noch überhaupt keine Vorstellung davon, was mich erwarten würde!
Das Essen war zwar manchmal etwas anders als in Deutschland, aber lecker, da dort sehr viel mit Gemüse und auch hauptsächlich mit Kartoffeln gekocht wurde.
Meine Gastfamilie hat sich auch sehr gut um mich gekümmert! Ich wurde sehr oft gefragt, ob ich noch etwas essen will oder was ich machen will!
Die Leute dort auf den Straßen haben insgesamt einen viel freundlicheren Eindruck gemacht, als hier in Deutschland. Man hat sich unterhalten, auch wenn man sich gar nicht kannte, zum Beispiel in Bussen.
Insgesamt hat es echt Spaß gemacht und ich kann es wirklich empfehlen, einen Schüleraustausch nach Weißrussland zu machen.
Amelie S., Jg. 10
Das Politische System in Belarus (pdf) von Judith P., Jg. 10
Die Geschichte Weißrusslands (pdf) von Valentin S., Jg. 10
Das Schulsystem in Belarus (pdf) von Lara R., Jg. 10