UNESCO-Projekttag 2008

Nebeneinander - Miteinander - Heimat finden. Wie viel Integration brauchen wir?

Gemeinsame Aktion der unesco-projekt-schulen:

 

Geschichten zu Migration, Integration/Inklusion und Heimat aus aller Welt

Wir bitten alle Schülerinnen und Schüler in allen Ländern, Geschichten zu folgenden Themen zu schreiben und uns zu schicken:

 

Ich war meiner Heimat fremd

 

Und als ich kam

meine Schritte

wie ein Beben

unter Wasser


Und als ich kam

meine Stimme

wie ein Schrei

und doch nur leer


Und niemand wusste

was ich sah

was ich fühlte

was ich dachte

und wie alles war


Und als ich kam

meine Hände

zitternd wie ein

krankes Tier


Und als ich kam

meine Haare

wie ein Feld

vom Wind durchwühlt


Und niemand wusste

was ich sah

was ich fühlte

was ich dachte

und wie alles war


Und als ich kam

meine Ohren

wie ein Horn

und doch nicht fähig


Und als ich kam

meine Haut

wie ein Moor

heiß und kalt


Und niemand wusste

was ich sah

was ich fühlte

was ich dachte

und wie alles war


Und als ich kam

meine Augen

suchend in einem

leeren Raum


Und als ich kam

meine Sinne

geblendet

und über dimensional


Und als ich ging

ich wusste nicht

was ich sah

was ich fühlte

was ich dachte

und wie alles war


Und als ich ging

wie ein Labyrinth

so heiß und kalt

so nah und fern

so leer und eigentlich bekannt

ich war meiner Heimat fremd

                                                                                        Jana Weber-Trebesch

 

 

Sich fremd fühlen

 

Als ich zehn Jahre alt wurde, änderte sich zum dritten Mal in meinem Leben mein Tagesablauf.

Mit drei Jahren durfte ich im Kindergarten den ganzen Tag lang spielen. Mit sechs Jahren kam ich in die Schule und merkte zum ersten Mal das das Leben nicht nur aus Spielen besteht. Sondern ein ewiges Lernen bedeutet.

Nun bin ich von Natur aus nicht ganz so aussehend wie meine Mitschüler. Ich bin etwas kleiner, pummeliger und sehr leichtgläubig. Deshalb habe ich bisher immer die Erfahrung gemacht dass ich geärgert und gehänselt wurde. Nun kam „Diese Situation“ in der ich mich in der Gemeinschaft sehr fremd fühle ein drittes Mal auf mich zu. Der Wechsel von der Grundschule zum Gymnasium.

Wie werde ich aufgenommen? Sind sie genauso gemein wie im Kindergarten und in der Grundschule zu mir, oder vernünftiger und netter weil sie älter und verständiger sind?

Meine Angst vor dem ersten Schultag war riesengroß. Wir trafen uns alle in der neuen Schule.

Eine Menge von Schülern und Eltern standen um mich rum. Meine Angst wuchs, ich fühlte mich fremd.

Komme ich mit den wenigen Schülern die ich kenne in eine Klasse?

Ist mein Grundschulfreund dabei? Hoffentlich.

Der Schulleiter hielt eine lange Rede und wir wurden den Klassenlehrern zugeteilt. Diese brachten uns in den zukünftigen Klassenraum. Schon auf Weg dorthin gab es einige Mitschüler die mich wegen meiner Figur hänselten.

Toll, fängt ja gut an!

In der Klasse angekommen machten wir Kennenlernspiele und der Tag ging schnell rum.

Heute, einige Monate später fühle ich mich nicht mehr ganz so fremd in der Klasse, weil ich Freunde gefunden habe.

Manchmal fühle ich mich immer noch fremd und ausgegrenzt aus der Klasse wenn die dämlichen Mitschüler mich Ärgern und nicht in Ruhe lassen.

Aber auch ich werde Älter und hoffentlich Toleranter.

(Die Geschichte stammt von einem Kind aus der Klasse 5g)

 

 

 

Neue Klasse, neues Glück

 

Lilly knallte ihre Zimmertür zu, sie war stinksauer. „Wieso müssen wir umziehen?“, schrie sie. Dann war plötzlich alles still. Kurze Zeit später kam ihre Mutter rein und setzte sich auf ihr Bett: „ Du weißt doch das Papa hier in Russland keine Arbeit gefunden hat, sondern nur in Hannover und die Wohnung ist da auch viel größer als diese.“ „Ja ich weiß, aber ich will meine Freunde nicht verlieren und diese Wohnung reicht mir auch vollkommen.“, sagte Lilly ohne die Hoffnung dass ihre Mutter ihr zustimmen würde. „Du wirst dich da schon zu Recht finden.“

Der Tag an dem sie umziehen sollten war da. Morgens in der Schule hatte Lilly ein T-Shirt von ihrer Lehrerin, wo alle Kinder unterschrieben hatten, als Andenken bekommen. Sie packten noch schnell die letzten Umzugskisten ins Auto und dann ging  es los. Nach ein paar Stunden Autobahn kam endlich eine Landstraße die sie nach Hannover bringen sollte. Nach noch weiteren zwei Stunden waren sie da. Während ihre Eltern die Umzugskisten in die neue Wohnung schleppten, schauten sich Lilly und ihr kleiner Bruder Jan den riesigen Garten und die Wohnung an. Lillys Mutter hatte nicht zu viel versprochen, die Wohnung war groß und hatte schöne Zimmer. Danach half Lilly ihrer Mutter beim einrichten und schon nach drei Stunden war die Wohnung fertig.

Am nächsten Morgen musste Lilly nicht zur Schule gehen, weil in Hannover noch zwei Tage Ferien waren. Doch die zwei Tage gingen schnell vorbei und schon war der erste Tag in der neuen Klasse da. Lilly hatte total  Angst und sagte schüchtern zu ihrer Mutter: „Die werden mich bestimmt auslachen.“ „Du schaffst das schon!“, sprach ihre Mutter ruhig auf sie ein.

Das erste Mal brachte ihre Mutter Lilly noch zur Schule, weil sie noch etwas mit der Sekretärin besprechen musste. Lilly gab ihrer Mutter noch einen Abschiedskuss und dann ging sie in die Klasse. Alle aus der Klasse guckten sie an, als wenn sie ein Alien wäre. Die Lehrerin sah nett aus und stellte Lilly der Klasse gleich vor: „Das hier ist Lilly und kommt aus Russland. Sie ist hier, weil ihr Papa dort keine Arbeit gefunden hat.“ Lilly musste sich an einen Einzeltisch setzen. Bis zur Pause war alles gut, doch dann in der Pause passierte es. Alle aus der Klasse lachten sie aus. Sie riefen: „ Du bist ja schüchtern“ und „ Lern erst mal Deutsch“. Plötzlich kam ein Mädchen auf sie zu und sagte zu den anderen: „ Lasst sie in Ruhe“ und zu Lilly sagte sie: „Komm mit.“ Sie ging mit Lilly auf die Mädchentoilette. „Danke!“ sagte Lilly. „Nichts zu danken, ich bin übrigens Maria und wie heißt du?“ „Ich heiße Lilly.“   

Ein paar Wochen später kamen die Arbeiten dazu und die anderen lachten sie immer noch aus und das verunsicherte sie sosehr, dass sie schlechte Noten schrieb. Aber sie hatte ja Maria kennen gelernt und die kam fast jeden Tag zum Lernen für Klassenarbeiten und um mit ihr an ihrer Aussprache zu üben. Seit diesen Tagen wurde Lilly nicht mehr in der Schule ausgelacht und schrieb auch bessere Noten. Ab da fühlte Lilly sich wieder wie zu Hause!

von: Henrike Bolli

 

 

 

FREMD

 

 

wir sind familie neuhaus und wohnen in einem haus in Göttingen  

monika ist meine mutter, johan mein vater

und ich bin miriamm

Zusammen sind wir eine perfekte familie!!!

ich bin jetzt 6 jahre und ich wollte schon immer mal eine schwester haben

aber keinen BRUDER!

einmal als ich aus der schule zurück kam war alles anders:

papa stand singend am herd und kochte.

mama lag im bett und schaute fernsehen.

ich setzte mich an den küchentisch und fing die hausaufgaben an.

ich fragte papa:

"papa warum seid ihr heute so anders?

sind mamas bauchschmerzen wieder weg?

papa bemerkte nicht mal das ich was gesagt hatte.

dann ging ich zu ihm hin und schrie ihm meine frage ins ohr.

endlich beantwortete er sie mir:

"das ist es ja. mama bekommt ein baby!"

ich schrie auf:

"ist es ein mädchen?"

papa sagte :

"es ist ein junge "

ich hab mich trotzdem gefreut!

vielleicht ist er ja nett.

plötzlich schrie mama im schlafzimmer auf:

"aaaaaaaaaah!!!"

papa sagte zu mir:

"schnell ins krankenhaus !"

und los ging es.

 

als wir im krankenhaus ankamen

legte mama sich ins krankenbett während papa

mit der mutter meiner freundin

telefonierte

ich schnappte ein paar worte auf:

"ein baby...ja...kann sie...danke...!"

ich ging zu papa hin und fragte:

"papa was kann ich!?!"

du kannst bei katharina übernachten während mama und ich im krankenhaus sind!"
als eine halbe stunde vorbei war

kam meine freundin mit ihrer mutter und holte mich ab!!!

 

nach 5 tagen holte mich papa ab. auf der fahrt nach

hause fragte ich papa aus:

"ist er süß?...hat er blaue augen?"

"ja er ist süß und blaue augen hat er auch!"

sagte papa

"alle babys haben blaue augen."

als wir zuhause ankamen standen tausende verwandte oder freunde um die babywiege herum

und ich konnte als seine schwester nicht einmal meinen bruder anschauen!

am nächsten morgen war der trubel vorbei und ich konnte meinen bruder betrachten.

aber mama hatte nur augen für jonathan so heißt er! 

 

das war der moment wo ich mich soooooooo fremd gefühlt habe!

 

aber jetzt liebe ich ihn!!! 

 

geschichte von anna waltert

 

aus der klasse: 5g!

 

Fremd sein 

Karin wachte auf und schon kam ihr wieder der Gedanke: heute werde ich in die neue Schule gehen. Sie war vor 4 Tagen von Göttingen nach Hannover gezogen  und ging heute zum ersten Mal in die neue Schule.  Sie zog sich an und ging in die Küche zum Frühstücken. Ihr Vater war schon bei der Arbeit. Aber ihre Mutter saß schon am Küchentisch und frühstückte Karin setzte sich dazu hatte aber keinen Hunger. Schließlich ging sie zur Schule, ihre Mutter hatte ihr gestern den weg gezeigt. In solchen Momenten wünschte sich Karin oft eine Zwillingsschwester die mit ihr zur Schule gehen würde. Als sie in der Schule ankam wusste sie überhaupt nicht wo ihr Klassenzimmer ist und ging erstmal in den ersten Gang. Karin las die Schilder an den Türen und da, an der einen Tür stand „SEKRETÄRIN“  Karin klopfte und eine Stimme rief: „ Herein!“ Karin kam herein und die Sekretärin sagte: „Ach, du musst Karin Nenke sein, du gehst in die Klasse 5c, dass ist im nächsten Gang die erste Tür.“ „Danke“ sagte Karin erleichtert und machte sich auf den Weg in ihre Klasse . Ihre Lehrerin stellte sie vor. Und setzte sie neben Ein Mädchen mit kurzen blonden Haaren. Während der Schulzeit fühlte sie  sich ausgeschlossen und fremd  aber schon am zweiten Tag wurde es besser.

Sie merkte dass, das Mädchen dass neben ihr saß und Hanna hieß ganz in ihrer Nähe wohnte und sie gingen jeden Tag zusammen Schule.

ENDE

 

 

Sich fremd fühlen 

Annika und Katja sind die besten Freundinnen und wohnen in Göttingen. Sie gehen zusammen in die fünfte Klasse. Doch dann sollte Katja mit ihren Eltern nach Hannover ziehen, so dass die Beiden sich fast gar nicht mehr sahen. Katja ging es in der neuen Schule anfangs nicht so gut, denn sie wurde von manchen Jungen gehänselt und als Außenseiterin bezeichnet. Das und noch andere Dinge schrieb sie fast jeden Tag als E-Mail an Annika. Die Beiden vermissten sich sehr.

An einem Freitag war es mal wieder soweit! Annika würde sie heute besuchen kommen. Darauf freuen sich die Beiden schon so lange. Sie redeten fast nur über die Schule, und die Zeit ging viel zu schnell vorbei. "Warum seid ihr bloß weggezogen?", fragte Annika, und Katja antwortete: "Mein Vater hat hier einen besseren Beruf gefunden." Dann, nach zwei Tagen, musste Annika wieder nach Hause.

Katja ging es jetzt besser, in der Schule, und sie hatte jetzt schon viele Freunde gefunden.

(Die Geschichte stammt von einem Kind aus der Klasse 5g)

 

 

 

Sich fremd fühlen 

 

Göttingen, Brüder-Grimm-Allee 12, 1 OG!

 

Das ist seit ein paar Wochen mein neues zuhause.

Ich heiße Lars, bin 10 Jahre alt und gehe in die 5te Klasse.

Mitten im Schuljahr musste ich nicht nur die Klasse wechseln, nein, die Schule und die Stadt ist auch noch neu.

Und das kam so: mein Vater, Atomphysiker an der Freiburger Uni, hat eine neue Stelle angenommen. Hier in Göttingen.

Wir, also meine Mutter, mein Vater, meine Schwester Maria und ich, sind vor 2 Monaten hier nach Göttingen gekommen, um uns die Stadt mal anzuschauen: strömender Regen, kalt und windig. Na ja, dachte ich, kann ja nur besser werden. Da hat Freiburg ja doch besseres Wetter.

Die Uni ist groß, anscheinend, laut Papa auch supergut!! Also, kurz gesagt, Papa will hier hin. Was wir Kinder wollen, ist Mama und Papa schon wichtig, sagen sie, aber so eine Chance bekäme Papa nie wieder. Also sind unsere Wünsche wohl doch Nebensache.

Maria und ich gingen in Freiburg auf die gleiche Schule und hatten eine Menge Freunde, und das seit der 1. Klasse. Hier kennen wir noch gar keinen, geschweige denn, dass wir hier Freunde hätten. Gut, dass wir wenigstens uns haben, obwohl immer mit der kleinen Schwester zu spielen doch auch irgendwann ätzend ist. Das neue Haus ist ja ganz nett, der Garten geht so, aber bei dem Wetter hat man da ja auch nichts von.

Meine neue Schule ist doof, nicht nur weil sie oben auf den Berg liegt, und ich tierisch weit gehen muss, sondern auch weil sie fast doppelt so groß ist, wie mein altes Gymnasium. Meine Schwester ist auf einer anderen Schule, weil Mama dachte, dass wäre besser für sie. Damit sind wir beide ganz alleine.

Ich fühle mich total mies, man nimmt mich nicht in die Klassengemeinschaft auf. Alle machen einen Bogen um mich.

Und wenn ich mich verabreden will, schütteln sie den Kopf und gehen weg.

Ich bin sehr, sehr traurig, hier will ich nicht bleiben!!!!    

(Die Geschichte stammt von einem Kind aus der Klasse 5g)

 

 

Fremd fühlen 

 

Maria und Lina leben mit ihren Eltern schon sehr lange in Göttingen. Beide gehen in ih­rer Freizeit gerne schwimmen. Eines nachmittags fragt Maria: „Mama, können wir nicht in einen Schwimmverein gehen ? Das fänden Lina und ich voll cool ! Bitte !“ „Eigent­lich spricht nichts dagegen. Wir können uns ja mal erkundigen“ antwortet Mama. „Cool ! Danke! , sagen Lina und Maria im Chor.

Am nächsten Tag meldeten sie sich für eine Schnupperstunde an. Als dann endlich Dienstag war, waren beide sehr aufgeregt wegen der  der neuen Gruppe, der Schwimm­halle, die sie nicht kannten und der Lehrerin. Sie hatten auch ein bisschen Angst, aber ihre Mutter begleitete sie. Sie zogen schnell ihre Schwimmsachen an und gingen in die Schwimmhalle. „Oh, ist die groß“, sagte Lina. Da kam auch schon eine Frau und fragte: „Seid ihr Maria und Lina Wildos?“ „Ja“, sagte Maria mit zittriger Stimme. „Gut, dann kommt mal mit. Ich heiße übrigens Franzi und bin eure Lehrerin.“

Die Gruppe war nicht sehr groß, ungefähr 15 Kinder. Aber trotzdem fühlten sich Maria und Lina fremd. Alles war groß und neu. Die Kinder kannten sie alle nicht. Das Training war ok, nur die anderen Kinder konnten viel mehr als sie.

Als sie öfter da waren, ging es immer besser, denn sie hatten dann auch kleine Wett­kämpfe in zwei Gruppen gemacht. So konnten sie die anderen Kinder auch besser ken­nen lernen. Aber das Gefühl fremd zu sein werden sie nie vergessen.

Jedoch wussten sie für das nächste mal, man kann überall neue Freunde finden.

Margo, Klasse 5g

 

In der Fremde

Im Sommer 2007 bin ich aus Afghanistan nach Bochum gezogen, weil mein Vater dort Arbeit gefunden hat. Ich musste auf eine neue Schule.

Am ersten Schultag fühlte ich mich fremd, weil niemand mit mir sprechen konnte. Am zweiten Tag habe ich meine Klasse nicht gefunden. Ein Lehrer hat mich dann in die Klasse gebracht. Als ich in der Klasse war, wurde ich von fast allen gehänselt. In den Pausen wurde ich auch nur gehänselt und ausgelacht.

Am dritten Tag habe ich wieder nicht die Klasse gefunden. Dann hat mich ein netter Junge aus meiner Klasse, der mich auch nie gehänselt hat, angesprochen und in meine Klasse geführt. Schnell wurden wir Freunde. Wir haben viel zusammen gemacht und er hat mich auch in den Pausen beschützt. Zehn Tage später passierte etwas: Ich habe in der ersten Pause mit meinem Freund gespielt, aber in der zweiten Pause wurde ich wieder gehänselt. Mein Freund und ich sind dann einfach weggegangen. Die anderen liefen uns hinterher und hänselten mich weiter. Da drehte mein Freund sich um und sagte: “Könnt ihr ihn nicht einfach mal in Ruhe lassen? Oder macht doch auch mal etwas mit ihm, er ist doch auch nicht anders als wir.“ Zuerst sahen das die anderen Kinder nicht ein. Aber ein paar Tage später ließen sie mich auch beim Fußball und beim Basketball mitspielen. Sie fanden es, glaube ich, sogar toll, einen aus einem anderen Land in ihrer Klasse zu haben. Und ich fand es toll, wie sich mein Freund für mich eingesetzt hat. Ich war jetzt gleichberechtigt mit den anderen. Sie haben mir in der Schule geholfen und ich konnte schon bald ein bisschen deutsch reden. Aber am besten hat mit gefallen, dass mein Freund so zu mir gehalten hat, als ich mich so fremd und einsam gefühlt habe.

Meno Schnoor, Klasse 5G

ENDE

 

Fremdsein

Es waren gerade Ferien. Meine Brüder und ich besuchten unsere Großeltern in Halle. Halle ist eine schöne Stadt und wir lieben es dort Urlaub zu machen. Die Großeltern verwöhnen uns und unternehmen viel mit uns.

Einmal waren wir auf dem Weg ins Kino. Dabei kamen wir an einer Grundschule vorbei. Die Schüler hatten gerade große Pause. Auf einmal fragte mich ein kleiner Junge: „Wo kommst Du denn her, dass man dort schon Ferien hat?“ In diesem Augenblick fühlte ich mich fremd.

Ich fühlte mich fremd, weil mich hier keiner kannte und auch ich niemanden kannte, obwohl ich noch vor 5 Jahren in dieser Stadt gewohnt habe. Die Schüler guckten mich alle ein bisschen komisch an, weil sie bestimmt nicht wussten, dass man in Niedersachsen jetzt schon Ferien hat. 

Schüler aus der Klasse 5g

 

 

Fremd in einer Klasse 

,,Mama muss ich heute zur Schule? Ich will nicht!'' Ich hasse meine neue Schule, alle hassen mich. Ich will unbedingt die Schule wechseln, in eine andere Klasse, einfach neue Freunde. Ich meine, ich glaube, dass meine Klasse wirklich die beliebteste bei uns im Jahrgang ist. Aber viel bringt mir das auch nicht. Denn ich bin wirklich die ,,graue Maus'' bei uns. Ein gutes Beispiel ist da der Sportunterricht. Wenn es da ums Wählen geht. Na, wer ist da wohl die Letzte, die gewählt wird? ICH! Ich wünschte wirklich, wir wären nie in diese Stadt gezogen. Warum bloß? Warum ich und niemand anders?! Früher war alles so schön. Ich hatte Freunde und war wirklich glücklich. Aber jetzt? Jetzt ist alles anders und es ist schrecklich! ,,Doch Emily! Du gehst zur Schule!'', maulte meine Mutter. ,,Ich will da aber nicht mehr hin!'', schrie ich ihr ins Ohr und fing an zu weinen. ,,Emily hör auf zu weinen und stell dich nicht so an, so schlimm kann es ja nicht sein.'', widersprach mir meine Mutter. ,,Du musst dich ja auch nicht auslachen oder ärgern lassen.'', versuchte ich ihr zu erklären, doch das brachte auch nichts. Sie fuhr mich zur Schule und wartete so lange vor der Schule, bis ich drin war. Ich ging die langen Flure entlang. Dann stand ich vor meiner Klasse. ,,Ich will da nicht rein, die lachen bestimmt alle wieder.'', sagte ich zu mir. Meine Gedanken waren schon wieder nur voller Angst. ich wollte einfach nie wieder in diese Klasse und mich auslachen lassen. Gerade als ich mich umdrehen und wegrennen wollte, stand meine Lehrerin Fr. Müller hinter mir. ,,Wo willst du denn hin?'', fragte sie mich. ,,Ich... ich...'', stotterte ich ,,ich wollte gerade...''. ,,Was wolltest du gerade?'', fragte sie mich und guckte mich streng an. ,,Ich wollte... nur noch eines meiner Bücher holen. Darf ich noch schnell zum Fach laufen und es holen?'', fragte ich sie. ,,Aber natürlich darfst du das. Aber komm bitte  gleich wieder, denn wir wollen heute mit einem neuen Thema anfangen. Okay?'' ,,Okay!'',sagte ich und lief schnell in Richtung Fach. Dann ging sie in die Klasse. ,,Das ging noch mal gut, Emily'', dachte ich mir. Was wäre denn jetzt gewesen, wenn ich keine Ausrede gehabt hätte? Sie hätte mich bestimmt in die Klasse geschickt. Und dann hätten mich alle wieder ausgelacht, weil alle gedacht hätten, dass ich den Weg in meine Klasse nicht gefunden hätte oder dass ich irgendwas angestellt hätte. Und das hätte mir echt noch gefehlt. Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Fr. Müller stand neben mir und fragte mich: ,,Was ist denn mit dir los, Emily? Du siehst heute so traurig aus. Ist irgendwas passiert?'' Fr. Müller war eigentlich sehr lieb und nett, aber manchmal kann sie auch ein ganzschönes Biest sein. Vor allen dingen, wenn man mal einmal die Hausaufgaben nicht hat. Dann muss man immer 1-2 Seiten Strafarbeit machen. ,,Ist irgendwas? O der können wir wieder in die Klasse gehen?'', fragte sie mich erneut. ,,Nein, nein. Alles in Ordnung. Wir können ruhig in die Klasse gehen.'', antwortete ich ihr. Dann gingen wir in die Klasse. Alle guckten mich schon wieder ganz komisch an. Aber ich versuchte, wie immer, mir nichts anmerken zu lassen. Ich setzte mich auf meinen Platz. Mitten im Unterricht spürte ich etwas nasses, klebriges in meinem Nacken. Ich fasste mir in meinen Nacken und holte ein nasses Papierkügelchen heraus. Ich wurde wie jeden Tag damit beworfen. Ich ließ mir weiterhin nichts anmerken und verfolgte gespannt den Unterricht. Dann, nach 30 Minuten, klingelte es zur Pause. Wie jeden Tag blieb ich einfach in der Klasse sitzen und ging nicht raus, denn ich wusste dass mich dann alle wieder ärgern und piesacken würden. Deswegen saß ich auch die ganze Zeit über nur in der Klasse. Dann klingelte es wieder und die Pause war zu ende und alle kamen wieder in die Klasse. Der Unterricht ging weiter. Ich ließ den Tag an mir vorbeiziehen und war froh, als es das letzte Mal zum Schulende klingelte. Ich packte meine Sachen und ging schnell nach Hause. Zu Hause angekommen fühlte ich mich erst so richtig sicher. Nicht so wie in der Schule. Da fühle ich mich nur unwohl. Weil ich habe einfach keine Freunde und bin nicht sehr glücklich in dieser Schule. Ich will wieder in meine alte Schule, denn da hatte ich Freunde, sehr nette Lehrer und war einfach sehr glücklich. Na ja, in 5 Wochen sind ja Sommerferien und da fahre ich zu meiner besten Freundin und all meinen anderen Freunden von meiner alten Schule. Darauf freue ich mich jetzt schon. 

5 Wochen später: Endlich Ferien. Und 6 Wochen lang muss ich keinen aus meiner Klasse sehen. Aber dafür kann ich leider nicht zu meiner besten Freundin fahren, da sie eine schwere Mandelentzündung hat und da meint meine Mutter, dass ich mich ja bei ihr anstecken könnte und ich dann auch krank werden würde. Ich dachte mir nur so: Oh mein Gott. Warum ist sie bloß immer so überführsorglich? Manchmal geht mir das echt auf die Nerven. Und jetzt darf ich die ganzen 6 Wochen hier im Haus oder im Garten bleiben. Und das schlimmste an alledem ist, dass ein Mädchen aus meiner Klasse neulich erst in das Nachbarhaus gezogen ist. Maria heißt sie und sie ist sozusagen die Anführerin der coolsten Clique aus meiner Klasse. Aber irgendwie hat sie in letzter Zeit ein wenig Stress mit den anderen aus ihrer Clique. Na ja, wahrscheinlich hat das ihre Einstellung gegenüber mir nicht geändert. Obwohl ich mich wirklich sehr gerne mit ihr anfreunden würde. Na ja vielleicht schaffe ich es ja, mich mit ihr anzufreunden. Am nächsten Tag war es wunderschönes Wetter und da wir einen Pool im Garten haben, ging ich schwimmen. Danach legte ich mich auf eine Liege und sonnte mich. Plötzlich hörte ich ein leises Geräusch. Es hörte sich an als ob jemand weinen würde. Ich guckte mich um, doch niemand war zu sehen. Ich dachte erst, ich hätte mir das nur eingebildet, doch dann hörte ich es wieder. Ich guckte mich abermals um. Immer noch war kein Mensch zu sehen. Ich folgte dem Geräusch und es führte mich zu unserem Gartenzaun, der den Garten von meiner Familie und den Garten von Marias Familie trennt. Ich schaute hinüber. Da ah ich sie. Maria saß weinend auf ihrer Veranda. Sie sah so unglücklich aus und ich weiß wie es ist wenn jemand unglücklich ist, denn schließlich war ich schon sehr oft unglücklich. Eigentlich wollte ich sie fragen, was mit ihr los sei, doch ich traute mich nicht und deswegen wollte ich mich ganz leise wieder ins Haus schleichen. Doch plötzlich krachte der Stuhl unter meinen Füßen zusammen und ich landete auf dem Boden. Maria schreckte auf. Sie lief zu dem Zaun und schaute hinüber. Dann sah sie mich auf dem Boden liegen. Sie lief schnell zu dem Gartentor, kam zu mir angerannt, gab mir ihre Hand und half mir auf die Beine. ,,Ist dir etwas passiert?'', fragte sie mich. ,,Nein. Danke, dass du mir geholfen hast. Das war echt nett von dir.'', antwortete ich ihr. ,,Hab ich doch gerne gemacht. Sag mal, wohnst DU hier? Also bist du meine neue Nachbarin?'' ,,Ja, ich wohne mit meiner Familie hier. Und du? Du wusstest echt nicht, dass ICH hier wohne?'' ,,Nein, ehrlich nicht. Ich wusste nicht, dass du hier wohnst. Aber ihr habt echt einen sehr schönen Garten...''. Und so kamen wir ins Gespräch. Sie kam mir richtig sympathisch vor, ganz im Gegenteil zu ihren Freundinnen. Irgendwann wurde sie dann von ihrer Mutter gerufen und sie verabschiedete sich von mir. ,,Okay, ich muss jetzt wieder nach Hause, aber vielleicht können wir ja morgen zusammen schwimmen gehen oder ein Eis essen gehen. Okay?'' ,,Klar, also ich meine, nur wenn du wirklich etwas mit MIR unternehmen willst, dann gerne.'' ,,Klar will ich was mit DIR machen. Du bist eigentlich sehr nett. Also morgen um 12 Uhr hier im Garten?'' ,,Ja okay. Bis morgen dann.'' ,,Okay, ich freu mich.'' Am nächsten Tag kam sie wie vereinbart um 12 Uhr in unseren Garten. Wir gingen dann bei uns im Pool schwimmen und als wir keine Lust mehr hatten, gingen wir in die Eisdiele um die Ecke und teilten uns einen RIESIGEN Eisbecher. Seit dem Tag, trafen wir uns jeden weiteren Tag in den Ferien. Ich war so glücklich endlich wieder eine Freundin gefunden zu haben, dass ich die Schule und alles andere um mich herum vergaß. Ich wünschte mir einfach, dass für immer Ferien wären. Am vorletzten Ferientag saß ich mit meinen Eltern und meinem groß en Bruder beim Abendessen, als meine Mutter anfing mir etwas zu sagen: ,,Also Emily wir müssen dir etwas sagen... wir werden UMZIEHEN! Wieder in die alte Stadt zurück und zu deiner alten Schule und deinen alten Freunden. Ist das nicht wunderbar?'' ,,NEIN!!! Das ist schrecklich! Warum? Warum gerade jetzt? Muss das sein?'', schrie ich meine Familie an und lief heulend in mein Zimmer. An diesem Abend rief Maria an, da wir jeden Abend telefonieren und ich erzählte ihr alles. Sie war so traurig darüber und fing am Telefon an zu weinen. ,,Und? Wann reist ihr ab?'', fragte sie mich noch. ,,Übermorgen! Ich bin so traurig.'', antwortete ich ihr. Das schockierte sie noch mehr. An den nächsten Tagen waren wir die ganze Zeit nur zusammen. Dann war der Tag gekommen: Wir reisten ab! Wir umarmten uns noch stundenlang und wollten einander gar nicht mehr loslassen. Wir wollten einfach zusammen bleiben. Aber dann verabschiedeten wir uns und wir fuhren. Ich habe die ganze Autofahrt über geweint. Das hat meine Mutter sehr mitgenommen. Sie überredete meinen Vater doch nicht umzuziehen und wir waren fast an unserem Ziel angekommen, als wir wieder umdrehten. Ich war von dem einen auf den anderen Moment wieder total glücklich. Spät in der Nacht kamen wir dann ,,zu Hause'' an und ich stürmte aus dem Auto. Sofort lief ich zu Marias Haus und klingelte, da ich wusste, dass sowieso nur sie zu Hause war, da ihr Eltern in dieser Woche nicht da waren und ihr Schwester bei ihrem Freund war. Ich sah wie das Licht im Flur anging. Sie öffnete die Haustür und viel mir um den Hals. Wir drückten uns schon wieder stundenlang. ,,Was machst du hier? Du müsstest doch schon längst angekommen sein, aber nicht bei mir! Ahhh... ich bin so froh!'', schrie sie. ,,Wir ziehen doch nicht um! Wir bleiben HIER!'', erwiderte ich. Dann hatten wir uns noch ein paar Sachen zu erzählen, während dessen ging meine Familie schon mal ins Haus. Ich über nachtete bei Maria. Am nächsten Tag, wussten wir erst nicht mehr, was passiert war. Doch dann fiel es uns wieder ein. Die letzten Ferientage verbrachten wir auch zusammen. Als dann die Schule wieder losging, hatte ich keine Angst mehr in die Schule zu gehen. Am ersten Tag ging ich mit Maria zur Schule. Wir kamen auch zusammen in die Klasse. Alle, aber wirklich alle guckten uns erst einmal schräg an. Maria machte allen klar, dass wir jetzt befreundet wären und dass gefälligst niemand etwas gegen mich sagen solle, da ich ihre BESTE Freundin sei und ich einfach total lieb und nett wäre. Ich dachte zuerst ich hatte mich verhört. BESTE Freundin? War ich wirklich ihre BESTE Freundin geworden? Ja, ich war es. Mit der Zeit freundete ich mich auch mit den anderen aus meiner Klasse an und war überglücklich. Und von da an waren und blieben wir BESTE Freundinnen. Und wenn ich jetzt immer an den Anfang in dieser Klasse denke, dann merke ich, dass sich alles zum Gut en wenden kann. Und dass man am besten keine Vorurteile haben sollte und sich einfach auf andere Leute einlassen sollte! Denn am Anfang sind manche Leute deine größten Feinde und ein paar Wochen später sind sie deine BESTEN Freunde!!! 

Eine Geschichte von: Jacqueline Kücking, Michelle Hofmann, Lena Kriege, Anna Jäger, Sandra Dräger, Sophia Neupert und Lisa Breithaupt aus der 8b

 

Fremd sein

Fremd ist: Wenn man irgendwo das erste Mal ist, wo anders einzieht, neu in eine Klasse /den Kindergarten kommt. 

 

Ich heiße Eric und bin 10 Jahre alt. Aus meinem Text könnt ihr verstehen, warum ein Kind sich fremd fühlt. Ich habe mich so gefühlt, als ich in eine andere Stadt umgezogen bin. Die Stadt, die Häuser, die Umgebung, einfach alles war mir fremd. Als ich das erste Mal in Italien oder Marokko war, war mir auch vieles fremd. Der Strand und die Leute. Alles war völlig neu für mich. Immer, wenn ich irgendwo das erste Mal war, fühlte ich mich fremd.     

(Die Geschichte stammt von einem Kind aus der Klasse 5g)

 

Fremdfühlen 

Die Menschentraube entfernte sich vom Bahnhof. Es ging zum Kurhaus, wo ich mit Saft und Keksen versorgt wurde. Trotzdem fühlte ich mich fremd an diesem Ort und hatte vielleicht sogar Angst.

Dann durfte ich endlich auf das Zimmer, aber trotzdem blieb das Gefühl, fremd zu sein. Das Zimmer war unbekannt, fremd, dieser neue Ort.

Am nächsten Tag bin ich im Kinderhaus, ich habe Vorfreude und Angst, denn ich weiß, dass ich mich fremd fühlen werde.

Nachmittags wird in die Stadt gegangen. Diese neue und fremde Stadt, alles anders, fremde Leute.

Dann gehe ich an den Strand, einem anderen, fremden.

Irgendwann gehe ich wieder ins Zimmer zurück und es kommt mir bekannter vor.

Nach ein Paar Tagen fühle ich mich wie zuhause, nichts ist mehr fremd.

(Die Geschichte stammt von einem Kind aus der Klasse 5g)

 

Einsamkeit 

Wieder ist die Schule aus und ich schlendere gedankenverloren nach Hause. Alleine!

Kevin geht mit Paul zusammen zum Bus. Jonas geht heute mit zu Tom, sie wollen zusammen Hausaufgaben machen und anschließend noch auf den Fußballplatz.

Ich sitze vor meinem Teller Spaghetti am Esstisch. Alleine!

Meine Eltern sind noch bei der Arbeit.

Warum bin ich so wie ich bin? Wie bin ich eigentlich, dass mich keiner mag? Warum haben alle Freunde, nur ich nicht?

Bin ich hässlich? Bin ich dumm? Ist es, weil ich nicht die coolsten Klamotten habe?

Fragen über Fragen, die mir Tag ein, Tag aus durch meinen Kopf gehen.

Warum sagt mir denn auch keiner, was mit mir nicht stimmt? Das ist doch total feige!

Am nächsten Tag in der Schule ist fast alles wie immer, bis auf einen "Neuen" in unserer Klasse. Er heißt Simon und ist fast einen Kopf kleiner als wir anderen Jungs.

Frau Krause hat ihn neben mich gesetzt, da neben mir sowieso nie jemand sitzen wollte. Simon macht einen netten Eindruck.

Wie immer bin ich in der Pause alleine. Simon ist auch ein richtiger Fußballfan und geht mit den anderen zum Bolzplatz. Ich stelle mich etwas abseits und schaue ihnen zu.

Plötzlich ruft Simon:" Hey, spiel doch mit! Was stehst'e da so 'rum?" Ehe ich mich freuen kann, bildet sich auch schon ein Kreis um Simon und alle reden auf ihn ein.

Ich höre sie sagen:" Lass doch diesen Looser bloß nicht mitspielen, der kann doch gar nichts!"

Simon reagiert und sagt:" Das finde aber gemein! Warum soll Louis denn nicht mitspielen? Wollt ihr von anderen ausgegrenzt werden? NEIN! Ich bin neu bei euch in der Klasse und mich habt ihr doch auch nett aufgenommen."

Jonas ruft:" Simon hat Recht, wir sollten Louis mitspielen lassen!" Simon zeigte mir mit einer Handbewegung, dass ich zu ihnen rüber kommen soll.

Ich nehme all meinen Mut, den ich vorher nie hatte, zusammen und frage in die Gruppe:" Was habe ich euch eigentlich getan, dass ihr nichts mit mir zu tun haben wollt?" Völlig unerwartet hüllen sich alle mit gesenkten Köpfen in Schweigen.

"Okey, vergessen wir's halt", höre ich mich selbstbewusst zu meinen Klassenkameraden sagen. " Manchmal tut man Dinge, worüber man nicht wirklich nachdenkt, warum man sie tut!"

Ohne den "Neuen" in unserer Klasse wäre ich jetzt immer noch sehr einsam! 

Maurice Buabe, Klasse 5g

 

  

Ein Austausch in England

Ich sitze im Flugzeug und bin auf den weg nach England ohne Eltern !!!!! Ich mache einen Schüleraustausch weil bei uns in der Schule das Pflicht ist. Ich hab ein ganz schönes bimmeln im Bauch. Mir gehen tausend fragen durch den Kopf: Wie wird wohl meine Familie sein ??? Ist meine Austauschpartnerin auch nett ?? In Sturzflug ging es runter, ich war da !!! Es standen ganz viele Eltern mit einem Kind da aber welches war meine Austauschschülerin ?? Ein Kind sprach mich an : Hello , What is your name ?? ich antwortete darauf : I'm Lisa waht is your name ??? sie antwortet darauf : I'm rania!!!!

Im diesen Moment wusste ich das war meine Austauschpartnerin . Aber als wir in dem Haus angekommen waren fühlte ich mich total fremd. Wie sollte ich es nur 2 Wochen mit einer fremden Familie einem fremdem Haus und einer fremden schule aushalten ??? ich gewöhnte mich Tag für Tag daran und nach 2 Wochen saß ich wieder im Flugzeug auf dem weg nach Deutschland. Ich freute mich total auf meine Familie und bald sah ich ja auch sowieso rania wieder .

Eine Schülerin aus der 5g

 

 

Die neue Klasse

Heute war der erste Tag in der neuen Klasse, wir alle kannten uns nicht , bis auf einige, aber sie alle fanden einen Partner, mit dem sie Aufgaben machen konnten, bis auf ich, ich saß ganz ruhig an der Seite. Dann auf einmal kam ein Mädchen zu mir gerannt, sie hieß Maja, und fragte mich: Hallo weißt du nicht mit wem du das machen sollst? Ich antwortete ja, dann holte sie die Lehrerin, und sie sagte wenn du willst kannst du auch mit Maja machen?? Willst du, fragte Maja, dann sagte ich ja und wir beide machten die Aufgaben und wurden beste Freundinnen, für immer.

Sharmeen Klasse 5g

 

Sich fremd fühlen

 

Fremd gefühlt habe ich mich schon einmal in einer anderen Klasse. Aber ich fange von vorne an und erzähle die ganze Geschichte:

In der dritten Klasse gab es eine Klassenfahrt auf die Insel Langeoog. Leider bin ich kurz vorher krank geworden und konnte nicht mitfahren. Als ich wieder gesund war, musste ich für die restlichen Tage in eine andere dritte Klasse. Ich kannte nur ein oder zwei Kinder vom Fußballspielen. Im Unterricht hatten sie ein ganz anderes Thema in Deutsch als unsere Klasse und waren in  Englisch weit zurück. Die anderen Schüler waren zwar ganz nett zu mir, aber ich vermisste eine vertraute Person und fühlte mich fremd unter den anderen. Am nächsten Montag war ich froh, wieder in meiner Klasse zu sein. 

Von Moritz Wette

 

Als ich mich fremd fühlte


Ich gehe die Hauptstraße lang. Es ist kühl hier. Aber ich drücke mich fest in meine Jacke. Die Nadeln an der großen Tanne neben dem Bäcker wehen im Wind. Als ich zur Tür hereinkomme steigt mir der Geruch von warmen Brezeln in die Nase. Ich vermisse meine Heimat. Da, wo es warm ist. Mein liebes Frankreich. Ich vermisse die kleinen Gassen meiner Heimatstadt und die Farm auf der ich gelebt habe. Wollen sie heute wider eine Brezel? Die Stimme der Bäckerin reißt mich aus meinen Gedanken. In zwei Wochen fliege ich. Ich fliege dann nach Frankreich in meine kleine liebe Heimat. Doch bis dahin muss ich die Zeit noch überbrücken.

Meine Koffer habe ich schon gepackt. Ich warte darauf, dass es Nacht wird und der nächste Tag anbricht, doch es ist erst Nachmittag. Der Himmel ist grau und lässt dicke Regentropfen auf meine Fensterscheibe prasseln. Die ganze Zeit. Der Schnee wird nun zu Schneematsch. Ich schalte den Fernseher an, doch nach einer Weile merke ich, dass ich eigentlich keine Lust auf Fernsehen habe. Ich gehe in meiner Wohnung auf und ab und setze mich auf einen Sessel, neben der Heizung. Von dort aus kann ich auf die Düstere Waldlandschaft blicken. Doch es scheint kein Leben da draußen zu sein. Es regnet immer noch und die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Die nächsten zwei Wochen verlaufen nicht anders und sie fühlen sich an, wie eine Ewigkeit. Doch nun kann ich endlich den ersehnten Flughafen betreten. Ich bin eine Stunde zu früh gekommen. Das Gebrumme der vielen Stimmen beruhigt mich, doch fühle mich einsam. Aus dem Flugzeug sehe ich die weißen Felder und die etwas bunteren Dörfer und Städte. Ich freue mich schon auf meine Farm. Bald wird es wärmer sein , sage ich mir. In meinem Handgepäck habe ich ein Foto von meiner alten Heimat. Darauf zu sehen bin ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern vor unserem Haus. Ich nehme es in beide Hände und betrachte es glücklich.

Am nächsten Tag will ich sofort nach dem Frühstück im Hotel in die Stadt gehen und mir die Gegend ansehen, weil ich gestern aus dem Taxi nicht mehr viel gesehen habe. Nach der Reise musste ich mich sofort ins Bett legen.

Ich gehe eine kleine Gasse entlang. Hier hat früher ein guter Freund von mir gewohnt. Wir haben oft zusammen am Fluss gespielt. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Doch vor seinem Haus sehe ich andere Leute im Garten sitzen. Sie scheinen mich nicht zu beachten. Was nur aus meinem Freund geworden ist? Zwei Straßen weiter suche ich den Bäcker in dem wir früher so oft gekauft haben. ER wurde durch ein Kleidungsgeschäft ersetzt. Auch den Spielwarenladen und den Schuhmacher konnte ich nicht mehr finden. Überall sind jetzt moderne Läden und Supermärkte. Die Einwohner dieser Stadt kommen mir fremd vor. Niemand, den ich von früher kenne, wohnt noch hier. Etwas weiter abseits sehe ich meine Farm wieder, aber ohne Weiden mit Tieren, und sogar unsere Apfelsinenplantage gibt es nicht mehr. Ein Hund bellt mich hinter dem Zaun meines alten Hauses an. Verzweiflung überfährt mich. Alles hat sich verändert. Ich fühle mich nicht mehr wohl hier. Alles ist mir fremd und ich frage mich, ob das noch meine Heimat ist.

Amrei Kuhlencord, 8. Klasse

 

 Tagebucheinträge:

  1. Hallo, mein Name ist Tina und ich wohne in einem Dorf. Ich finde es toll hier und will nie wo anders leben, da ich alles habe was ich brauche. Freunde, Familie, man fühlt sich wohl und alles ist einem vertraut. Seit kurzem habe ich sogar einen festen Freund, der nur ein paar Straßen weiter wohnt. Er heißt Tom. Leider hat meine beste Freundin Katharina nicht so viel Zeit für mich, aber wir verstehen uns blendend! Mein Leben ist also so gut wie perfekt- es hat nur einen Haken: Mein Vater bekommt einen Job wo er dreimal so viel verdient wie jetzt, doch um diesen Job anzunehmen, müssten wir umziehen. Und zwar in eine Stadt. Nach Berlin- die Hauptstadt, wo alles laut ist… Natürlich wollte ich nicht wegziehen, aber meine Eltern und mein Bruder waren so begeistert, dass wir jetzt nächste Woche wegziehen. Ich könnte die ganze Zeit heulen…
  2. Heute ist DER Tag! Heute gehe ich in die neue Schule. Ich bin total aufgeregt! Hoffentlich sind alle nett zu mir…!
  3. Eben bin ich von der Schule nach Hause gekommen. Es war nicht gut, aber auch nicht schlecht. Alle haben mich angeguckt und in den Pausen war ich alleine. Aber meine Klassenlehrerin ist total nett und auch einige aus meiner Klasse haben mich angelächelt.
  4. Heute war mein vierter Schultag. Wir haben uns heute umgesetzt und ich sitze neben einem Mädchen. Sie ist total nett und wir verstehen uns auch eigentlich sehr gut, aber ein paar sind immer noch doof zu mir, besonders drei Jungen, aber Susi hat gesagt, dass die immer so sind. Das hat mich sehr beruhigt. Ach ja! Susi heißt das Mädchen, das neben mir sitzt.
  5. Heute ist Montag. Am Wochenende hat Katharina  bei mir geschlafen und sie findet es hier voll schön. Langsam habe ich auch das Gefühl, dass ich mich richtig einlebe und  das Stadtleben ist gar nicht so schlimm, wie ich immer gedacht habe. Da wir sehr am Rand von Berlin wohnen, ist es sehr ruhig und auch wenn ich alles Andere sehr vermisse finde ich es hier doch gut.
  6. Heute kommt Kevin zu mir nach Hause. Wir wurden in der Schule in Gruppen eingeteilt und ich bin in einer zweier- Gruppe mit ihm. Er ist einer von denen, die immer total doof zu mir sind. Sie lästern die ganze zeit und gucken mich doof an. Und man sagt immer, dass nur Mädchen lästern… Aber ich werde das schon überleben! Außerdem haben Tom und ich eben per Telefon entschieden, dass es keinen Sinn hat zusammen zu bleiben. Zum Glück fanden wir das beide und haben uns nicht gestritten. Außerdem bleiben wir Freunde.
  7. Kevin war eben hier. Er ist gar nicht so schlimm sondern eigentlich total nett. Wir haben uns unterhalten und er hat ganz normal mit mir geredet und nicht so wie in der Schule. Außerdem haben wir so gut zusammen gearbeitet, dass das Referat schon fertig ist
  8. Heute war meine bester Schultag, den ich je hatte- also an dieser Schule! Keiner hat mich dumm angeguckt oder angemacht! Ein sehr schönes Gefühl.

Danke Tagebuch, dass ich immer mit die „reden“ kann, wenn ich Probleme habe, aber ich glaube ich brauche dich für eine gewisse Zeit nicht mehr. Alles ist gut, so wie es ist. Vielleicht bis irgendwann mal.

Deine                                                                                                                   Tina

 

Fremd

Hallo,  ich heiße Peter und bin 13 Jahre alt. Letztes Jahr sind wir aus Hamburg nach Köln gezogen wegen des Jobs meines Vaters. Das ist fünfmal in den letzten zwei Jahren passiert. Das Wetter am Tag des Umzugs war sehr schön, aber der Tag selber nicht. Ich ging in meine neue Schule und meine Klassenlehrerin setzte mich neben einen Jungen namens Franz. Ich fand aber leider keine Freunde und wurde immer geärgert. Ich konnte es kaum erwarten, dass der Schultag endlich vorbei war und ich nach Hause gehen konnte. Als ich dann nachmittags raus ging, um neue Freunde zu suchen, passierte das Gleiche wie in der Schule: Alle haben mich ignoriert. Ich ging wieder nach Hause. Meine Mutter fragte mich, wie mein erster Tag hier war. Ich erzählte ihr nicht, dass ich mich hier nicht wohl fühlte, sondern dass ich ein paar Freunde gefunden hatte. Ich  setzte mich vor den Computer und spielte mit meinen alten Freunden. So ging das ein paar Wochen lang: Ich kam aus der Schule,  machte meine Hausaufgaben und setzte mich vor den Computer. Meine Mutter fragte mich, warum ich nicht draußen mit meinen Freunden spielen würde. Da ich ihr nicht die Wahrheit sagen wollte, antwortete ich, dass ich mit ihnen zusammen am Computer spielen würde. Aber auf die Dauer war das langweilig, also nahm ich meinen Ball und ging auf den Fußballplatz. Dort waren ein paar Kinder aus meiner Klasse, die Fußball spielten, und ich fragte, ob ich mitspielen könnte. Aber die Antwort war natürlich nein. Ich setze mich auf die Treppe und sah ihnen zu. Später musste einer von ihnen nach Hause. Da sie nicht aufhören wollten zu spielen, fragten sie mich, ob ich doch mitspielen wollte. Ich freute mich und sagte ja. Ich habe immer sehr gern Fußball gespielt und als sie sahen, was ich so alles drauf hatte, staunten sie. Sie wollten unbedingt, dass ich ihnen das auch beibringe,  und so wurden wir alle gute Freunde. Sie erzählten mir, dass am Wochenende ein Fußball-Turnier  an der Schule sei, und sie wollten unbedingt, dass ich da mitmache. Natürlich sagte ich ja. Ich ging nach Hause und erzählte, was ich heute mit meinen Freunden gemacht hatte, aber ich sagte nicht, dass wir erst seit heute Freunde waren. Als wir dann am Samstag das Fußball-Turnier gewannen, freuten wir uns alle. Wir spielten jeden Nachmittag  und in den Pausen Fußball. Und das hat sich bis heute nicht geändert.

Alexander Paal, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Fremd in der neuen Straße

Vor drei Jahren habe ich noch in einem ruhigen Dorf, welches eine halbe Stunde von Göttingen entfernt liegt, gewohnt. Jeden Morgen musste ich noch im Stockdunklen zur Schule fahren, denn der Bus fuhr nur jede vierte Stunde. Ich war meistens die einzige, die mit diesem Bus fuhr, da meine Freundinnen alle auf Haupt- oder Realschulen in den benachbarten Dörfern gegangen sind. Wegen der vielen Fahrerei beschlossen meine Eltern nach einiger Zeit  mit uns in die Stadt zu ziehen. Meine Geschwister und ich aber mochten die laute und dreckige Stadt überhaupt nicht, da wir an das ruhige und friedliche Dorfleben gewohnt waren. Trotzdem kauften wir dann schließlich ein Haus am Rand von Göttingen in einer ruhigen und kleinen Straße. Ich mochte es, denn es war viel heller und größer als unser altes Haus, nur der Garten war jetzt nicht mehr so riesig, aber immerhin noch groß genug zum Fangen und Fußballspielen.

Nach einem Jahr Renovierungszeit war es dann so weit. Der Umzug stand kurz bevor und meine ganze Familie und alle unsere Freunde waren sehr aufgeregt, Der Abschied von unserem alten Zuhause fiel uns allen sehr schwer, da wir sehr lange dort gewohnt hatten und die Leute jetzt sehr gut kannten. Nach einiger Zeit war es so weit: Alle unsere Möbel waren in den Möbelwagen verstaut und unsere Nachbarn standen am Tor und winkten uns. Langsam fuhren wir mit dem Möbelwagen los und winkten allen unseren Freunden aus dem ganzen Dorf  zu , die noch am Gartentor standen, um sich noch einmal von uns zu verabschieden. 

Als wir später mit dem Möbelwagen in die neue Straße hineinfuhren , bekam ich ein mulmiges Gefühl im Bauch und wollte am liebsten auf der Stelle umdrehen. Es kam mir so vor, als ob unsere neuen Nachbarn alle hinter den Gardinen hockten und uns beobachteten. Die Straße war ganz verlassen und es war kein Geräusch zu hören, außer das laute Brummen des Motor von dem Möbelwagen, aber ich wusste, dass die Leute uns sahen. Ich wollte sofort wieder nach Hause, denn hier fühlte ich mich überhaupt nicht wohl, auch der Rest meiner Familie sah sich unruhig um. Eine ganze Weile standen wir da und schauten uns um und fühlten uns irgendwie ganz verlassen und fremd hier.

Plötzlich hörten wir lautes Geschrei und eine Horde Kinder kam um die Ecke gerannt. Als sie uns sahen, blieben sie vor uns stehen und guckten uns ganz merkwürdig an. Nach einige Zeit finge sie an zu tuscheln und liefen dann laut lachend wieder weg.

Noch nie habe ich mich so unwohl und fremd gefühlt wie in dem Moment, als die Kinder auftauchten und über uns lachten. Ich wollte jetzt sofort auf der Stelle nach Hause in unser altes Haus, aber das ging ja nicht, denn da wohnten ja schon andere Leute drin.

.Plötzlich ging die Tür von unserem Nachbarhaus auf und eine kleine Frau betrat die Straße. Lächelnd kam sie auf uns zu und schüttelte uns immer noch lächelnd die Hand. Danach stellte sie sich vor und fragte uns, ob sie uns irgendwie helfen könne. Wir erklärten ihr, dass wir die neuen Besitzer von dem Haus seien und zeigten dabei auf unser neues Haus. Da lächelte sie wieder und bot uns an, dass sie uns helfen könne, bis die Möbelpacker kämen.

Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, aber auf einmal half uns die gesamte Straße, unsere Sachen in das Haus zu tragen. Da jetzt so viele Leute mit anpackten, ging das Ausräumen der Sachen viel schneller als das Einräumen der Sachen. Und obwohl wirklich alle sehr freundlich waren und wir alle viel lachten und bis spät in den Abend zusammen spielten und unseren Einzug feierten, merkte ich, dass wir trotzdem noch etwas fremd in dieser neuen Straße waren. Alle kannten sich ganz genau und lebten nun schon mehrere Jahre zusammen in dieser Straße .

Von diesem Tag an konnte ich jeden Tag mit dem Fahrrad in die Schule fahren und mich mit Freundinnen aus meiner Klasse verabreden, was davor wegen dem langen Weg ja nicht möglich war.

Es dauerte noch einige Wochen, bis ich mich in der neuen Umgebung wie zu Hause fühlte und jetzt will ich nie wieder von hier fortziehen.

Alina Prautzsch, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Der deutsche Italiener 

Luigi stand hinter seinem Tresen und knetete den Pizzateig, als seine Enkelin Mira hereinkam. Seufzend ließ sie ihre Schultasche auf einen Barhocker fallen und setzte sich auf einen anderen. An den Wänden des kleinen Restaurants hingen Bilder von Venedig, Teramo, Bologna,- und von Luigis Eltern vor dem kleinen Haus. Miras Blicke wanderten von einer Karte zu einem Foto, zu einer Postkarte.

„Heute ist überhaupt nichts los, außer zwei Kugeln Eis bin ich heute noch nichts los geworden“, murmelte Luigi.

„Dann hast du ja Zeit und kannst mir von Italien und wie du nach Deutschland gekommen bist, erzählen“, meinte Mira mit Blick auf die italienische Flagge. Natürlich kannte sie die Geschichten schon, aber ihr Großvater sah heute traurig aus und sie wusste, dass es ihm besser gehen würde, wenn er von Italien erzählte und tatsächlich- seine Augen fingen an zu leuchten und er begann.

„In Italien hatten wir nicht viel Geld, wir hatten nur unser kleines Haus und den Hof. Doch wir waren glücklich und zufrieden mit dem, was wir hatten, ich konnte mir kein anderes oder besseres Leben vorstellen. Als ich 20 war, wurde mir eine Stelle als Gastarbeiter hier in Deutschland angeboten. Zuerst wollte ich nicht fort aus Glorenza, doch man sagte mir, dass ich hier sehr viel verdienen und nach ein paar Jahren als reicher Mann zurück nach Glorenza ziehen könne. Dann würden wir uns vielleicht auch mehr als unseren kleinen Hof leisten können.

Also zog ich nach Deutschland, mein Abschied fiel mir sehr schwer, ich wusste nicht, wann ich zurückkommen würde, ich musste alle meine Freunde und meine Familie zurücklassen“. Er starrte gedankenverloren aus dem Fenster, „Mein Anfang hier in Deutschland war furchtbar. Stell dir mal vor, du kommst in ein fremdes Land und du kennst keinen und verstehst die Sprache überhaupt nicht. Ich wusste nicht, wie ich mich verständigen sollte. Außerdem hatte ich großes Heimweh, hier war alles so anders als zu Hause. Bei uns war alles so klein und freundlich, jeder kannte jeden und wusste über alles Bescheid, doch als ich das erste Mal nach Bochum kam, wurde mir bewusst, wie überwältigend groß diese Stadt im Gegensatz zu Glorenza war. Na ja, und auf das versprochene Luxusleben warte ich heute noch. Wenn man im Bergbau arbeitet, wird man nicht reich, Mira. Außerdem hatten sie mir eine große Wohnung versprochen. Ja, ich hatte eine große 3-Zimmer Wohnung, nur nicht für mich alleine. Mit acht Leuten haben wir in der Bude gewohnt. Das war schon ganz schön eng, aber die meiste Zeit war ich ja doch unter Tage…Ich vermisste das Tageslicht und die italienische Sonne, die doch irgendwie anders ist als die deutsche Sonne.“

Mit geübten Griffen formte Luigi den Teig zu einer Kugel und ließ ihn auf dem Finger kreisen. „Nach drei Monaten fühlte ich mich immer noch wie ein Fremder in Bochum. Von meinem wenigen Gehalt schickte ich jeden Monat einen kleinen Teil zu meinen Eltern. Oft dachte ich an sie und an unseren Markt, die Ausflüge aufs Land, ja sogar ans italienische Essen. Die deutschen Kartoffeln schmeckten mir einfach nicht, ich wollte mal wieder echte Gnocchi oder einfach nur Pasta essen, kannst du dir das vorstellen?

Mit meinen Mitbewohnern verstand ich mich gut, sie waren auch Italiener, oder besser: Spaghettifresser, wie wir hier genannt wurden…

Wir sprachen nur italienisch miteinander, das gab uns oft das Gefühl, wir wären in Italien. Dadurch lernten wir natürlich auch nicht so gut Deutsch. Wenn wir mit Deutschen zusammengelebt hätten, hätte ich wahrscheinlich sehr viel schneller deutsch sprechen können. Aber- wenn du mich fragst- ich hatte auch keine große Lust, deutsch zu lernen, schließlich dachte ich, ich würde bald wieder zurück nach Hause fahren.“

Während er weiter sprach, bestrich der Mann mit dem Kugelbauch und der Kochmütze den Teig mit einer Tomaten-Kräuter-Sauce.

„Zwei Jahre nach meiner Ankunft lernte ich Maria kennen. Sie war das hübscheste und netteste Mädchen ganz Bochums. Ich wollte, dass sie so bald wie möglich zu mir zog, doch in unserer 3-Zimmer-Wohnung war kaum noch Platz, weil Paolo inzwischen mit seiner Marlene hier eingezogen war. Aber wir sagten uns, wo neun Leute rein passen, gehen auch zehn. Marias Eltern waren nicht begeistert, als ihre Tochter zu einem Spaghettifresser zog.“

Nun belegte er die Pizza mit Basilikum, etwas weiter rechts mit Mozarella und am rechten Rand mit Tomatenscheiben.

„1974 war ich schon vier Jahre hier, ich hatte immer noch Sehnsucht nach Italien. Nach meiner Abreise damals war ich noch kein einziges Mal wieder dort gewesen. Aber in dem Sommer hatte ich zwei wichtigere Dinge im Kopf. Maria war im neunten Monat schwanger und Italien wollte die Fußball-WM gewinnen.

Wir hatten natürlich keinen eigenen Fernseher, deshalb gingen wir immer ins „Radmann’s Eck“, tranken dort ein Pils und feierten unseren Sieg gegen Hawaii. Am 19. Juni spielten wir Gleichstand gegen Argentinien und am 23. verloren wir gegen Polen. Am 7. Juli musste ich mich natürlich ein bisschen mit deiner Oma freuen, schließlich ist sie ja sozusagen Weltmeister geworden.

Wir konnten die letzten Minuten des Spiels nicht sehen, weil wir ins Krankenhaus mussten. Maria bekam unser Kind.“

Sichtlich zufrieden schob er die Pizza in den Backofen.

„Nun wurde es ziemlich eng in unserer Wohnung, deshalb beschlossen wir umzuziehen. Eine 2-Zimmer-Wohnung reichte uns vollkommen aus.

Ich wollte unsere Tochter komplett italienisch erziehen, aber Maria war dagegen, also sprach ich mit ihr italienisch und Maria mit ihr deutsch. Als Claudia drei Jahre alt war, konnten wir das erste Mal mit ihr nach Italien fahren. Es war so schön, wieder zu Hause zu sein, aber ich vermisste, auch wenn du es kaum glauben wirst, ein bisschen Deutschland. Es war ein bisschen zu meiner zweiten Heimat geworden, denn ich hatte viele neue Freunde gefunden, die mich verstanden, auch wenn ich ihre Sprache nur ein bisschen sprach.“

Luigi machte sich einen Capuccino und setzte sich neben seine Enkelin auf  einen Barhocker.

„Mein zweiter Abschied aus Italien war nicht ganz so schlimm wie der erste, weil ich wusste, was mich hier erwarten würde. 1981, kurz nach der Einschulung unserer Tochter, beschloss ich eine kleine Pizzeria aufzumachen. Es lief sehr gut, denn alle italienischen Gastarbeiter wollten mal wieder etwas essen, was sie an ihr zu Hause erinnerte.

Maria war das zweite Mal schwanger und im September wurde dein Onkel Fabio geboren.“

Er machte eine kleine Pause und schlürfte einen Schluck seines Capuccinos. „Magst du auch einen?“, fragte er Mira und als sie den Kopf schüttelte, fuhr er fort: „ Inzwischen fühle ich mich tatsächlich als Deutscher, außer bei den Weltmeisterschaften oder wenn ich wieder einmal in Italien bin, dann bin ich wieder Italiener. Zuerst fühlte ich mich fremd hier in Deutschland, ich habe mich zu italienisch gefühlt, jetzt fühle ich mich in Italien oft ein bisschen zu deutsch…   Das hört sich komisch an und es hat auch lange gedauert, bis ich erkannt habe, dass ich nicht nur zu einem, sondern zu zwei Ländern gehöre. Zwar bin ich deutscher Bürger, aber manchmal fühle ich mich mehr wie ein Italiener. Trotzdem finde ich es eigentlich viel schöner, zu zwei Ländern zu gehören, wenn du verstehst, was ich meine.“

Nachdenklich holt der deutsche Italiener die fertige Pizza aus dem Ofen und stellte sie vor Mira ab. „Buon appetito, Mira- eine Pizza Bella Italia!“

Lächelnd blickte Luigi auf, als Maria, seine Frau hereinkam. Ein Glück, dass er einmal nach Deutschland gekommen war, sonst hätte er nie eine so hübsche Frau kennen gelernt…

Amelie Rose, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Von der Fremden zur Freundin

 Gerade erst bin ich mit meinen Eltern nach Deutschland gezogen. In unserem alten Land herrschte ein Bürgerkrieg. Wir waren vor niemandem mehr geschützt und als auch noch eines Nachts unser Haus angezündet wurde, war meiner Familie klar, dass wir unser Land verlassen mussten. Alle unsere Erinnerungen wurden durch das Feuer zerstört, Fotos, Familienbücher und noch vieles mehr. Auch meine Großeltern kamen bei dem Brand ums Leben. Deshalb flogen wir schon bald nach Deutschland, man sagte uns, dort wären wir sicher vor all dem, was uns in Serbien geschehen war. So verlor ich meine Heimat.

Wenige Wochen später hatten wir eine neue, aber kleine Wohnung für meinen Vater, meine Mutter, meine kleine Schwester Lana und mich. Aber dennoch musste ich mir mit meiner Schwester kein Zimmer teilen.

Zu meinem Erstaunen war die Nachbarschaft sehr freundlich und hilfsbereit gegenüber uns.

Ein paar Tage vergingen, die Wohnung war schnell eingerichtet und für mich und meine Schwester ein Schulplatz gefunden.

Ich musste auf ein Gymnasium, das besonders Kinder förderte, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Gleich am nächsten Tag sollte mein erster Tag in der neuen Schule sein. Selbstverständlich hatte ich Angst vor den anderen, vor ihren Blicken, ihren Kommentaren und ihrem gesamten Verhalten mir gegenüber. 

„Ich weiß, dass du Angst hast. Aber ich habe viele Leute gefragt und die haben mir diese Schule bestens für dich empfohlen“, versuchte meine Mutter mich zu beruhigen, als ich mit ihr und der Direktorin vor der Tür meiner neuen Klasse stand.

„Trotzdem, man kann nie wissen“, sagte ich und warf ihr noch einen letzten Blick zu, bevor ich von der Schulleiterin durch die Tür geschoben wurde.

„Herr Maier, dass hier ist Jelena Petrović, eine neue Schülerin für ihre Klasse.“

„Kinder, dass ist Jelena, ich bitte euch, sie in unsere Klassengemeinschaft mit aufzunehmen und mit ihr umzugehen, wie ihr selber behandelt werden wollt.“

Ein Raunen und Gemurmel ging durch die ganze Klasse und ich schaute auf zu Herrn Maier, ein etwas rundlicher Kerl, Mitte 50 und einer eckigen Brille. Er lächelte mich an und zeigte auf einen Platz in der zweiten Reihe neben einem braunhaarigen Mädchen, welches mich angrinste. Langsam schlenderte ich auf den Platz zu und ließ mich auf den harten Stuhl fallen.

„Ich bin Shalyn“, sagte das Mädchen und warf mir einen netten Blick zu.

„Jelena. Freut mich.“

„Wenn du möchtest, kann ich dir nachher die Schule zeigen.“

„Wieso nicht? Danke schön.“

So gut es ging, versuchte ich dem Unterricht zu folgen, aber ich war schon aufgeregt auf die Führung durch die Schule, denn ich hätte nicht gedacht, dass jemand hier so nett zu mir sein würde.

Als dann endlich Pause war, ging ich mit Shalyn durch die gesamte Schule und sie zeigte mir jeden Raum. Ich erzählte ihr, was mir in meinem Heimatland Serbien widerfahren war und sie zeigte sogar ein wenig Mitgefühl.

„Ich glaube nicht, dass jemand hier weiß, wie es ist, einfach mal eben von einem Land ins andere zu ziehen, in einer neuen Wohnung zu wohnen, in einer Gegend, die einem völlig fremd ist, und dann auch noch sofort in eine neue Schule gesteckt zu werden“, sagte ich.

„Hm, dass ist wirklich schwer. Aber das Beste ist, wenn man schnell Freunde findet, und jetzt hast du ja schon mal eine Freundin“, grinste sie mich an.

Schlagartig ging es mir besser, weil ich jetzt wusste, dass ich nicht mehr alleine war. 

In den nächsten Tagen fand ich sogar noch ein paar mehr Freunde, denn Shalyn stellte mir so ziemlich die ganze Schule vor und manche von den Leuten waren mir von Anfang an sympathisch, aber Shalyn blieb meine beste Freundin.

Denn sie hat mir gezeigt, dass man nicht den Kopf hängen lassen soll, auch wenn man das Gefühl hat, Heimat verloren zu haben.

Anna Gull, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Fremd in der eigenen Stadt

 

Als wir vor einem halben Jahr nach Göttingen zogen, war alles fremd für uns.

Unsere Nachbarschaft schloss uns aus deren Gemeinschaft aus und in der Stadt fanden wir keine Freunde.

Doch eines Tages, als ich gerade mit unserem Hund Rocky spazieren ging, ging ich nicht den normalen Weg. Ich lief viel weiter, als ich es normal tun würde. Nach einiger Zeit wusste ich überhaupt nicht mehr, wo ich war, überall waren Bäume und ganz in der Nähe hörte ich Kinder spielen. Die Geräusche, die sie von sich gaben, interessierten mich, daher ging ich ihnen nach. Langsam wurden sie lauter und lauter, plötzlich stand ich vor einem Spielplatz mit lauter Kindern, spielenden Kindern und keinen Erwachsenen.

Es war wie ein Paradies, denn gleich nachdem ich hinter dem Busch hervorkroch und Rocky anfing zu bellen, kamen einige der Kinder auf mich zu und luden mich zum Spielen ein.

Ich fragte wo sie denn so wohnten und eine meinte im Neuen Weg, andere sagten im Ritterkreuz. Beide Straßen waren ganz in meiner Nähe.

Als dann drei Stunden vergangen waren, machte ich mich auf den Nachhause Weg, da es schon fast acht Uhr war.

Am nächsten Tag ging ich wieder den selben Weg zu dem Spielplatz und die selben Kinder waren da. Seltsam war aber, dass ich sie nur auf dem Spielplatz sah und nie in meiner Nachbarschaft. Aber das interessierte mich nicht weiter, weil immer, wenn ich mit den Kindern unterwegs war, vergaß ich alles um mich herum. Meiner Mutter sagte ich nichts von dem Platz, da ich nicht wusste wie sie drauf reagieren würde. Sie dachte schon so schlecht über die Stadt und ich wollte nicht wissen, wie sie über die Kinder dachte.

Doch nach ein paar Wochen wunderte sie sich, wieso ich immer so lange mit dem Hund spazieren ging und da sagte ich es ihr. Sie begleitete mich und fragte die Kinder, was denn mit ihren Eltern sei und wieso sie immerzu auf diesem Spielplatz sein könnten. Die Kinder antworteten, dass sie neu in der Stadt wären, dass alle nach und nach hierhergekommen wären und dass ihre Eltern alle zu Hause sitzen würden und nicht wüssten, was sie machen sollten. Da bat meine Mutter die Kinder ihr zu zeigen, wo sie wohnen würden, und die Kinder

zeigten es ihr. Nun lief meine Mutter nach Hause, um meinen Vater zu holen, und zusammen gingen sie zu ihren neuen Freunden.

Als dann ein paar Jahre vergangen waren, wir alle gute Freunde und manche fuhren sogar zusammen in den Urlaub. Die meisten von uns waren auch in derselben Klasse und somit verlor man sich auch nicht auch den Augen. Zu meiner besten Freundin war Lara geworden, sie wohnte nur eine Straße neben mir und wir gingen auf dieselbe Schule, aber in verschiedene Klassen. Jeden Morgen vor der Schule trafen wir uns und schlenderten hin, wir kamen fast jeden Tag zu spät, da wir immerzu verschliefen.

Außerschulisch machte ich nur noch was mit Lara, weil sie mir einfach die Liebste von allen war und unsere Eltern sich auch am besten verstanden.

Endlich waren wir nicht mehr fremd in unserer Gegend. Lara erzählte mir, dass sie aus Kasachstan kam und russisch sprechen könne. Und da meine Familie aus Russland kam, konnte ich natürlich auch russisch sprechen. Man hörte uns kaum noch deutsch reden ,da wir nicht wollten, dass uns jeder versteht.

Ich bin froh Lara kennengelernt zu haben, denn durch sie weiß ich endlich, dass man nie alleine fremd is einer Stadt ist und man immer Freunde findet.

Daniela Elligsen, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Was mache ich denn falsch?

Als Frau Masuri der Klasse des 7. Jahrgangs eines Gymnasium in der Stadt berichtete, dass eine neue Schülerin nach den Sommerferien in die Klasse kommen würde, gab es große Aufregung. Da dann auch noch bekannt gegeben wurde, dass diese aus einem kleinen Dorf mit nur ca. 500 Einwohnern komme, gab es großen Protest. „Landeier verpesten nur unsere Schule!“, rief Thomas und von der Klasse kam zustimmendes Gemurmel. „Außerdem sind diese Biohennen sowieso viel zu dumm und können doch nichts!“ Die Klasse lachte und Marvin stellte sich auf seinen Stuhl und gackerte wie ein Huhn. „Nun ist es aber genug! Raus ! Alle beide!“, schrie die Klassenlehrerin.  

Die neue Schülerin hieß Doro und war 13 Jahre alt. Ihre Familie war vor Kurzem in das kleine Dorf gezogen, da sie nicht genug Geld hatten, um sich ein Haus in der Stadt zu kaufen. Doro mochte das Haus, auch wenn dies ebenfalls klein war. Es hatte einen Garten und ein niedliches kleines Gartenhäuschen, worin sie ihr eigenes Reich hatte. 

Sie war 160 cm groß und hatte dunkle Augen und Haare. Sie war hübsch und die meisten mochten Doro immer sehr gern. So freute sie sich auch schon sehr auf ihre neue Klasse und viele neue Leute. 

Nach den Sommerferien war ihr erster Tag in der Klasse. Vor der Schule traf sie ihre neue Klassenlehrerin, mit der sie sich gleich sehr gut verstand. Zusammen gingen sie in den Klassenraum und Doro war leicht aufgeregt. Als sie eintraten, rannte jeder schnell auf seinen Platz und es gab schon einiges Geflüster über die Neue. Sie hörte auch viele Rufe wie :„Ich dachte, das war‘n Scherz, als sie sagten diese Doro kommt zu uns, Frau Masuri.“ Oder :„Landeier an die Macht!“ Doro versuchte genau wie Frau Masuri sämtliche Sprüche und Gesten zu ignorieren. Doch als sich Marvin abermals auf seinen Stuhl stellte und wie ein Huhn gackerte, färbte sich der Kopf ihrer Klassenlehrerin vor Zorn rot und sie schickte ihn mal wieder mit einer Strafarbeit aus der Klasse.  

Doro setzte sich auf den einzigen leeren Platz und ihre Tischnachbarin rückte so weit wie möglich von ihr weg. Der Unterricht begann und als sie ihre Tischnachbarin begrüßte, starrte diese mit gespieltem Interesse wie gebannt auf die Tafel und ignorierte sie völlig. Ihren ersten Tag an der neuen Schule, auf den sie sich so gefreut hatte, hatte sie sich etwas anders vorgestellt und sie war, als sie in Gedanken versunken nach Hause ging, sehr traurig. Denn auch nach der ersten Stunde hatte niemand mit ihr gesprochen und in den Pausen saß sie immer allein und guckte anderen zu, wie sie miteinander lachten oder sich etwas erzählten.  

Zu Hause angekommen, erzählte sie ihrer Mutter nicht, dass sie traurig war und sie am liebsten wieder in die alte Wohnung zu der alten Schule ziehen wollte. Sie machte ihre Hausaufgaben schnell fertig (wenigstens das war gut, denn der Stoff war total leicht und sie verstand alles sofort) und ging dann noch ein bisschen raus, um das Dorf zu erkunden und die Gegend besser kennen zu lernen.  

In den nächsten Tagen ging es ihr nicht besser, doch erzählte sie dies ihren Eltern weiterhin nicht und versuchte mit den Leuten aus ihrer Klasse zu reden. Doro bemühte sich wirklich sehr, doch fand sie nur Abneigung und manche schienen sie ohne Grund zu hassen. 

Nach einer Woche war es ihr genug und sie drängte ihre Tischnachbarin Amy dazu, mit ihr mitzukommen und ihr etwas zu erklären. Mit viel Zickerei und Augenrollen gingen die beiden in der nächsten großen Pause in eine Ecke auf dem Schulhof, wo niemand sie beobachten konnte und vermutlich ungestört geredet werden konnte.  

„Was ist an mir eklig? Oder, Amy, sag mir, was ich falsch mache, dass du und alle anderen in der Klasse mich hassen, ohne mich zu kennen! Was habe ich euch getan? Amy, bitte sag es mir. Ich bin bereit mich zu ändern!“, bedrängte Doro das genervt aussehende Mädchen, welches ihr leicht abgeneigt gegenüber stand. Die Neue merkte, wie wütend sie auf einmal war. Am liebsten würde sie ganz laut schreien oder ihren Frust mit Tränen aus sich herausspülen. Doch zu ihrer Überraschung sah sie auf einmal, wie sich die Augen ihres Gegenüber mit Wasser füllten und als die erste Träne Amy übers Gesicht rollte, empfand sie so viel Mitleid, dass sie ihren Zorn ganz vergaß. „Doro, es tut mir ja alles so leid!!! In Wirklichkeit finde ich dich ja total nett, doch ich habe  die ganze Klasse gegen dich aufgehetzt“, schluchzte das weinende Mädchen. Doro konnte es nicht fassen und wusste auch erst nicht, was sie darauf antworten sollte. Schließlich fragte sie nur: „Warum? Amy, warum?“ „Du darfst das niemandem weitererzählen, Doro, du bist außer mir gleich die einzige, die davon etwas weiß. Ich bin auch einmal umgezogen. In eine schreckliche Gegend und ab dem ersten Tag in der neuen Klasse wurde ich nur fertig gemacht. Tag für Tag und Jahr für Jahr. Als es dann hieß, es kommt eine von weiter weg, da dachte ich, der zeige ich es jetzt aber mal richtig!!! Es tut mir wirklich total leid und ich möchte mich bei dir entschuldigen und dir sagen, dass du ziemlich stolz sein kannst, denn ich hatte mich nicht getraut eine so dumme Zicke, die mich über alles zu hassen schien, anzusprechen.“ „Oh Amy!“ Doro nahm ihre von nun an neue Freundin in den Arm und diese weinte an ihrer Schulter. Als es klingelte, gingen sie Hand in Hand in den Klassenraum und setzten sich lächelnd nebeneinander an ihren Tisch in der vierten Reihe. Nach der Schule versprach Amy Doro, dass sie die anderen über die neue Freundschaft informieren würde und sie sagte ihr noch, dass sie ihr eine schöne Zeit in ihrer Schule mit noch anderen Freunden wünscht.  

Seit dem Tag ging es allen besser. Amy hatte nun jemandem ihr Herz ausgeschüttet, welches doch sehr weich zu sein schien, und Doro hatte jetzt eine gute Freundin, mit der sie sich oft traf und viel unternahm.  

Deike Wissmannm Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Neu 

„Das ist Theresa“, sagte meine zukünftige Klassenlehrerin zu meiner neuen Klasse. Die Lehrerin war anscheinend ziemlich nett, aber die Klasse musterte mich, als ob ich von einem anderen Planeten kommen würde.

Ich hätte am liebsten die Zeit zurückgedreht und die Zeitung vom 20. August versteckt. Dann hätte mein Vater keinen Job gefunden und wir hätten nicht umziehen müssen.

„Sie kommt aus der Nähe von München. Theresa, vielleicht kannst du ein wenig über dich erzählen?“

Sie guckte mich erwartungsvoll an.

„Okay“,, antwortete ich zögerlich. „Also, ich heiße Theresa.“ „Das haben wir auch schon mitgekriegt!“, unterbrach mich ein Mädchen mit pink gefärbten Haaren. Alle fingen an laut zu lachen.

Haha, wie witzig, dachte ich.

„Meine Hobbys sind lesen und Musik hören.“ „Ihr könnt Theresa auch noch ein paar Fragen stellen, wenn ihr wollt.“  Niemand sagte etwas. „Na gut, dann setz dich bitte neben Janina“, sagte die Lehrerin zu mir. „Da hinten.“ Sie zeigte auf den leeren Platz neben dem Mädchen mit den pinkfarbenen Haaren. Ohne Worte setzte ich mich neben Janina.

„Wo wohnst du?“, fragte sie.

Ich glaubte mich verhört zu haben. Dieses Mädchen hatte mich wirklich etwas gefragt? Vielleicht, dachte ich, ist sie doch nicht so unfreundlich.

„Ich wohne in der Hauptstraße“, antwortete ich.

„Welche Hausnummer?“ „Nummer 11. Und wo wohnst du, Janina?“ „JANINA? Ich heiße Nina, kapiert? Ich wohne auch in der Hauptstraße. Nummer 9.“ „Dann wohnst du ja direkt neben mir.“ „Wow, du bist aber ein Blitzmerker.“

Und so ging das immer weiter.

Kann die nicht einfach mal leise sein, dachte ich.

Aber ich traute mich nicht, ihr das zu sagen.

Ich war richtig froh, als es endlich klingelte. Schnell weg von diesem Monster, dachte ich.

Endlich war ich raus aus der Schule und auf dem Weg nach Hause.

„Hallo Theresa“, sagte das Mädchen, das in der Schule in der ersten Reihe saß.

Ihren Namen hatte ich vergessen.

„Äh, hallo. Hast du den gleichen Schulweg wie ich?“ „Ja, ich wohne auch in der Hauptstraße, Nummer 7." „Woher weißt du denn, dass ich auch in der Hauptstraße wohne?" „Ich hab dich gestern gesehen, als du eingezogen bist."

„Ach so. Hast du vielleicht Lust später mal vorbei zu kommen?“ „Ja, gerne.“

Heute morgen hatte ich gedacht, dass meine neue Klasse schrecklich sei. Und jetzt merkte ich, dass es doch nicht so schlimm war.

Femke Mütinga, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Der Weg in den Norden     
 

Ich hatte gerade erfahren, dass ich in eine neue Stadt ziehen sollte. Und damit nicht genug, ich sollte auch schon in vier Wochen nach Göttingen ziehen. Göttingen! Wo war das eigentlich? Das ist bestimmt irgend ein Dorf  in Norddeutschland. Papa hatte zwar gesagt , dass Göttingen eine Stadt im schönen Südniedersachsen wäre, aber das war mir auch egal. Schließlich war Bayern mit den schönen Bergen und Seen einfach das geilste Bundesland ganz Deutschlands. Denn was konnte schon mit dem Oktoberfest mithalten? Ich hatte jedenfalls für mich beschlossen,  nicht dorthin zu ziehen .
Aber die Tage vergingen und ich musste meinen Freundinnen ja irgendwann auch mal beibringen, dass ich in drei Wochen nach Göttingen ziehen würde.
Einen Freitagabend empfand ich als genau richtig, um einen DVD- Abend zu machen und ihnen alles zu beichten.
Sie kamen auch alle ,da das mal wieder eine klasse Idee von mir war.
Ich ließ sie erstmal was essen, damit ich mich noch ein bisschen drücken konnte. Doch meine Mutter warf mir immer wieder Blicke zu, dass ich die Katze schließlich aus dem Sack ließ.
Als ich meine ganze Beichte beendet hatte, guckten mich nur sechzehn fassungslose Augenpaare an und alle fielen kurz danach mit einem Geschnatter über mich her. Zum Beispiel mit Fragen wie: „Warum  müsst ihr umziehen ?“Ich erklärte ihnen,dass mein Papa eine neue Arbeit in Göttingen hätte und dass das jetzt sehr wichtig sei, da er ja so lange arbeitslos gewesen war .                 
Und dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten, ich musste einfach losheulen und auch bei meinen Freundinnen quollen langsam die Augen über. Der DVD Abend war gelaufen!
In den nächsten zwei Wochen packten  wir langsam unsere Sachen zusammen. Und schließlich war auch mein letzter Schultag in Bayern gekommen. Es war kein langer Tag, denn wir bekamen Sommerferien. Mama hatte gesagt, dass ich schon bald meine alte Klasse wieder besuchen könne. Das war ja noch in Ordnung, denn der schlimmste Abschied würde erst morgen kommen.
Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, obwohl ich den Schlaf gut gebraucht hätte.
Es war der Tag des Abschieds und somit der schlimmste Tag in meinem Leben. Alle meine Lieben waren gekommen und das machte es nicht unbedingt leichter. Ich fühlte mich so schwer wie tausend Elefanten, als ich morgens von meiner Matratze aufstand .Und wie ich schon erwartet hatte, weinte ich, als alles im Umzugswagen verstaut war, gefühlte zwanzig Schwimmbecken voll. Und auch  im Auto wurde es nicht besser. Die ganzen sechs Stunden musste ich an meine Freundinnen denken.
Nach einer Woche in Göttingen hatte ich die Innenstadt gesehen und musste zugeben, dass die Wohnung in der Südstadt gar nicht so schlecht ist. Trotzdem hatte ich natürlich totales Heimweh und wollte nicht in die Schule, welche in zwei Tagen beginnen sollte. Da war nämlich nicht viel mit Ferien, weil die Ferien in Niedersachsen schon ganz früh angefangen hatten und  die in Bayern erst so spät.
Montagmorgen um 7:30 Uhr. Das war mein erster Schultag in Göttingen. Ich sollte in die achte Klasse des Hainberg-Gymnasiums gehen.
Ich kam also mit meiner neuen Klassenlehrerin in die Klasse gestapft. Es drehten sich zweiunddreißig Köpfe mit einem blöden Grinsen zu mir um. Prost Mahlzeit! Das war genau das, was ich jetzt gebrauchen konnte.
Nach einer Stunde und einer großen Pause wusste ich, dass ich mich auf der neuen Schule 1000 Mal verlaufen würde und bestimmt bald neue Freunde hätte. Also gar nicht so schlecht. Mal sehen, wie es in einem halben Jahr aussieht.
Ach ja , mit meinen Freundinnen telefoniere ich fast jeden Tag und in den Herbstferien werde ich sie besuchen und dann wird der DVD -Abend auf jeden Fall nachgeholt. 

Friederike Gutknecht, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen 

 

 

Wie Joanna alles verlor oder

Joannas neues Leben

Ein Hilfeschrei und unbekannte Stimmen. Jetzt knallte die Tür und weg waren sie. Ich wusste, sie würden ihn irgendwann holen und auch verhaften. Erst meine Mutter und nun auch meinen Vater. Beide hatten keine Arbeit und so hatten wir auch kein Geld, darum mussten sie klauen gehen und bei Mutter kam dies irgendwann raus. Sie kamen einfach rein und haben sie mitgenommen. Ich wusste nicht, dass sie geklaut haben, denn sie haben mich immer zum Spielen in den Hof geschickt und meinten, sie hätten etwas sehr Wichtiges zu tun, aber in Wirklichkeit sind sie klauen gegangen.

Das Ganze ist jetzt schon ungefähr drei Jahre her, wie alt ich damals war, weiß ich nicht und ich weiß auch heute nicht, wie alt ich bin, aber mein Nachbar, mit dem ich mich gut verstand, meinte, ich wäre  ungefähr zwölf,  seit drei Jahren hatte ich meine Mutter nicht mehr gesehen und ich glaube, sie lebte auch gar nicht mehr.

Mein Vater hatte immer noch keine Arbeit und musste die ganze Zeit weiterklauen, und nun hatten sie ihn auch geholt.

Es ist ganz still in unsrer kleinen Wohnung. Wir haben nur zwei Zimmer, wie alle anderen in diesem armen Viertel. Eins, in dem wir drei geschlafen haben, und eins, in dem wir uns tagsüber aufgehalten haben. Wenn wir zur Toilette mussten, sind wir in den Hof zur Sammeltoilette gegangen. Ich liege noch auf meiner Matte und habe anhören müssen, wie mir mein Vater weggenommen wurde.

Plötzlich höre ich, dass eine Person in unserem Haus ist. Und schon steht eine Frau mit dunkler Haut und schwarzen längeren, gewellten Haaren vor mir und guckt mich durch ihre Brille an. Dann fragt sie mich:“ Bist du Joanna?“ Ganz vorsichtig nicke ich, weil ich nicht weiß, wer sie ist. Und woher weiß sie überhaupt meinen Namen? Eigentlich will ich sie dies und vieles mehr gerade fragen, aber schon legt sie los und erzählt, dass sie mich jetzt mitnehmen muss, weil ich ja nicht alleine wohnen könne. Ich frage sie sofort, ob nicht meine Mutter bald freikommen würde und auf mich wieder aufpassen könnte. Doch die Frau antwortet mir gar nicht, sondern geht einfach aus dem Raum und schon draußen sagt sie noch:“ Pack deine Sachen und komm raus, ich warte dort auf dich und dann fahren wir weg!“

„ Ha, Sachen packen, die ist witzig, ich habe doch gar nichts, was ich einpacken könnte!“ , denke ich und

„Wohin fahren wir überhaupt?“ Es gibt jetzt keine Zeit darüber nachzudenken und deshalb schnappe ich mir das einzige, was ich besitze, einen einohrigen Teddybären von der Müllkippe, und laufe zu der Frau raus. Was diese Frau später mit mir anstellen wird, überlege ich mir in diesem Moment nicht, erst als ich das erste Mal in meinem Leben in einem Auto sitze und das ausgerechnet mit einer fremden Frau, wird mir klar, dass ich meine Familie und meine Heimat wahrscheinlich nie wieder sehen werde.

 In diesem Moment fühle ich mich ganz mies, ich habe mich einfach in ihr Auto gesetzt, nur weil sie  meint mich mitnehmen zu müssen?              

Wir fahren lange, sehr lange. Es kommt mir wie eine halbe Ewigkeit vor, aber dann endlich sind wir doch angekommen. Es ist schon fast dunkel draußen, aber es ist noch hell genug, dass ich, als wir aussteigen, sehen kann, dass wir vor einem großen, schönen Haus stehen. Vorne hangt ein großes Schild dran, auf dem etwas steht, aber weil ich noch nie zur Schule gegangen bin und so auch nicht lesen kann, weiß ich nicht, was darauf steht.  Die Frau meint zu mir:“ Hier wirst du ab heute wohnen!“ Sie erklärt weiter: „ Dies ist ein Heim für Kinder, die keine Eltern mehr haben oder solche, die in Familien gelebt haben, aber dort nicht genug zu essen bekamen.“

Ich bin total irritiert, sie haben mir einfach meine Familie und meine Heimat weggenommen!

Ich bin wie gelähmt, ich bekomme keinen Ton mehr raus und kann mich auch nicht mehr bewegen. Ich stehe mit meinem Teddybären im Arm einfach nur so da und tue gar nichts mehr. Aber plötzlich kommt eine andere junge Dame auf mich zu und diese erklärt mir erst einmal, dass ich jetzt nicht mehr in dem kleinen afrikanischen Dorf bin, wo ich früher gelebt habe, sondern ganz an der Spitze Afrikas, in einem Heim für afrikanische Kinder.

Dann erklärt sie mir, wenn ich etwas brauche oder etwas wissen will, dass ich dann zu ihr oder ihren Mitarbeiterinnen gehen soll und schließlich führt sie mich erst einmal durch das große Haus und zeigt mir alles: das Gemeinschaftszimmer, in dem Spiele, Bücher und vieles mehr sind, die Mitarbeiterzimmer, die Badezimmer mit vielen Duschen, Toiletten und Waschbecken, die Küche mit allem Drum und Dran, die Zimmer der Kinder und zuallerletzt den großen Speisesaal. Dort gibt es viele Tische und Stühle und an denen sitzen viele Kinder. Sie zieht mich in die Mitte des Raumes und fängt an den Kindern zu erklären, dass ich meine Familie verloren habe und ab heute auch in diesem Heim leben werde. Nachdem sie eine Weile lang den Kindern alles mögliche erklärt hat und mich auch noch vorgestellt hat, führt sie mich zu einem freien Platz neben einem kleinem Mädchen, welches auch erst seit kürzerem da ist. Dann essen alle gemeinsam Abendbrot und alle erzählen sich was und lachen.  Alle außer meine Tischnachbarin und ich.

 Nach dem Essen führt uns ein großer, schlanker Mann auf ein freies Zimmer mit zwei Betten und erklärt uns, dass wir beide in diesem Zimmer wohnen sollen. Und schon ist er verschwunden und wir beide stehen alleine in dem kleinem Zimmer. Keiner sagt etwas und auch keiner bewegt sich vom Fleck. Ich bin erstaunt darüber, dass ich ab heute in einem Bett schlafen darf. Und überhaupt diese Möbel, das leckere Essen, die Waschräume und alles, es ist wie als ob für mich ein neues Leben beginnen würde. Und auch schon nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass das andere Mädchen auch kein Gepäck hat und auch sehr dreckig ist, genauso wie ich.

Kurze Zeit später reiße ich allen meinen Mut zusammen und fange an mich mit dem Mädchen zu unterhalten.

Schließlich haben wir geklärt, wer in welchem Bett schläft und wem welcher Schrank gehört. Als wir einen Blick in den Schrank werfen, bleibt uns fast die Luft weg. Es sind so viele Sachen in dem Schrank: Handtücher, Bettwäsche, Kleidung, Waschsachen, so etwas kenne ich nur von unseren Nachbarn, die viel reicher sind als wir und so etwas auch besitzen.

Da die eine Frau mir vorhin alles erklärt hat und unter anderem auch, dass sie abends rumgehen und schauen, dass alle im Bett liegen, weiß ich, dass wir jetzt ins Bett müssen. Wir wollen uns gerade hinlegen, da kommt eine Mitarbeiterin rein und fragt uns, ob wir uns gut verstehen und zurecht finden. Die Frau sieht, dass wir noch angezogen sind und uns so ins Bett legen wollen, und so muss sie uns erstmal erklären, dass wir uns noch waschen müssen und die Betten beziehen und so was. Das alles haben wir vor lauter Aufregung vergessen.

Also gibt die Frau uns Handtücher, Dusch- und Waschsachen

und schickt uns in den Waschraum. Während wir uns fertig machen, bezieht sie unsere Betten. Als wir wiederkommen, erklärt sie uns noch, dass wir einen Schlafanzug anziehen sollen und sie unsere alten, dreckigen Sachen waschen wolle. Bevor wir dann ins Bett gehen, zeigt sie uns noch ein paar Sachen, wozu wir was brauchen und schließlich sagt sie  tschüss und erzählt uns, dass sie uns morgen früh wecken wird, damit wir an unserer ersten Schulstunde teilnehmen können.

Ich bin heilfroh, endlich im Bett zu liegen, weil der ganze Tag sehr anstrengend für mich gewesen ist.

Schon ein paar Wochen später habe ich mich an den Tagesablauf gewöhnt und vieles dazu gelernt, zum Beispiel kann ich jetzt auch rechnen, lesen und schreiben, aber das allerwichtigste ist, dass ich jetzt endlich Freunde gefunden habe und mich auch sehr gut mit meiner Zimmernachbarin verstehe.

Seitdem lebe ich glücklich in diesem Heim und bin froh, dass ich hierher gekommen bin, weil ich jetzt endlich ein normales Leben führen kann.

Gesa Busch, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Freunde finden ist eigentlich ganz leicht

Ein letzter Gang durch unser altes Haus. Ein paar Erinnerungsfotos schießen. Alles sieht anders aus als sonst, denn unsere Möbel sind nicht mehr hier, nur noch einige Umzugskisten stehen herum. Wie es wohl werden würde in der neuen Stadt? Würde ich schnell neue Freunde finden? Ich bin ziemlich schüchtern und gehe nicht gerne auf fremde Leute zu, deshalb habe ich schon die ganze Zeit Angst, ich werde keine Freunde finden. Die letzten Kisten werden in den LKW verladen. Heute Abend schlafen wir bei Freunden und erst morgen, an Silvester, werde ich mein neues Zimmer komplett eingerichtet sehen. Ob es schön sein wird, mein Zimmer? Schon die ganze Zeit mache ich mir Gedanken darüber, ob es in der Nachbarschaft Kinder in meinem Alter gibt, denn in dem Dorf, in dem wir bislang wohnten, habe ich viel mit den Nachbarskindern gespielt. In einer Stadt wird das wohl anders sein.

Heute beim Einzug habe ich das erste Mal unser neues Haus fertig renoviert gesehen. Es ist kleiner als unser altes und der Garten erst recht. Das ist eine ganz schöne Enttäuschung. Um zum Wald zu kommen, braucht man auch viel länger. Aber vielleicht sollte ich nicht die ganze Zeit mein altes Zuhause mit meinem neuen vergleichen, wenn ich das neue noch gar nicht richtig kenne. Aber schade ist es trotzdem, dass wir umgezogen sind. Ich glaube, mir ist es noch gar nicht richtig bewusst, dass ich meine Freundinnen kaum noch sehen werde. Das hier fühlt sich im Moment noch eher an wie Urlaub, aus dem man dann nach kurzer Zeit wieder nach Hause kommt. Naja, spätestens wenn ich auf die neue Schule gehe, wird mir bewusst sein, dass das hier kein Urlaub ist.

Morgen ist mein erster Schultag an der neuen Schule. Meine Mutter und ich haben sie uns schon mal angeschaut, die ist ganz anders als meine alte: viel kleiner und kein so großer Schulhof. Ich bin total nervös wegen morgen. Vielleicht ist der Unterricht an dieser Schule ja viel schwieriger und die haben schon mehr Stoff durchgenommen. Hoffentlich gibt es nette Leute in der Klasse und die Lehrer sind auch nett. Aber möglicherweise mögen mich die Schüler nicht. Am besten höre ich auf, mir solche Gedanken zu machen, ich werde bestimmt jemanden finden, der nett ist. Oder doch nicht? Außerdem kennen sich alle anderen in der neuen Klasse bestimmt sehr gut und ich rutsche erst im zweiten Halbjahr der vierten Klasse da hinein. Ich fühle mich hier total fremd, ich kenne niemanden in dieser Stadt, in meiner Straße, in meiner neuen Klasse. Oh, wie soll man bloß bei so einer Aufregung schlafen?

Meine Mutter bringt mich zur Schule, während mein Vater meine kleine Schwester zum Kindergarten fährt. Die wird bestimmt keine Probleme haben mit dem Freunde finden, weil sie nicht so schrecklich schüchtern ist wie ich. Aber ich werde diesen Tag schon irgendwie durchstehen.

Erstmal gehen wir zum Lehrerzimmer, wo mich meine neue Klassenlehrerin abholt. Die sieht doch eigentlich ganz nett aus. Als wir beim Klassenzimmer angekommen sind, geht meine Mutter wieder, jetzt bin ich auf mich allein gestellt. Als ich in die Klasse gehe, gucken mich alle an. Das ist ein ganz schön blödes Gefühl, wenn man niemanden kennt, alleine da steht und alle einen angucken. Erstmal muss ich mich vorstellen. Als ich meinen Namen sage, gibt es erstmal Geraune, weil es noch ein Mädchen in der Klasse gibt, das Hannah heißt. Irgendwie nimmt mir das ein wenig die Anspannung und ich erzähle noch ein bisschen mehr über mich. In der Pause schaue ich mir den Klassenraum genauer an. Später zeigen mir Hannah und ein anderes Mädchen, das Amelie heißt, die Schule und wo was ist. Dabei finden wir heraus, dass Amelie auch einen Hund hat, genau wie wir, und deshalb verabreden wir beide uns gleich für den Nachmittag zum Spazierengehen.

Mit den beiden Mädchen, die so nett auf mich zugegangen sind, freunde ich mich schnell sehr gut an und wir machen viel Quatsch zusammen. Also ist es doch gar nicht so schwer, neue Freunde zu finden, auch wenn man so schüchtern ist wie ich, denn manchmal kommen einem die anderen auch entgegen.

Mittlerweile haben wir uns einigermaßen an die neue Stadt gewöhnt. Einige meiner alten Freundinnen haben mich auch schon besucht, das hat mir geholfen. Außerdem haben wir uns versprochen, viele Briefe zu schreiben und uns so oft es geht zu besuchen. Trotzdem werde ich sie alle echt vermissen.

Meine beiden neuen Freundinnen und ich sind auf die gleiche weiterführende Schule gekommen, nur ist Hannah in einer anderen Klasse. Auch dort habe ich neue Freunde gefunden und Amelie und ich gehen immer noch gerne zusammen mit unseren Hunden spazieren, wenn wir die Zeit dazu haben. Dieser Umzug war vor vier Jahren, mittlerweile bin ich in der achten Klasse und auch wenn es schon so lange her ist, nerve ich meine Freundinnen heute noch manchmal damit, was mir von meinem alten Zuhause alles „fehlt“: meine alten Freundinnen, das große Haus, der große Garten, der nahe Wald ............... Aber es gibt hier auch vieles, was besser ist als vorher, und vor allem habe ich jetzt viele Freunde an verschiedenen Orten!      

Hannah Lönneker, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Der Neue

Als ich am Montag in die Schule kam, war alles ganz normal. Nachdem ich mich jedoch in der Klasse genauer umsah, entdeckte ich ein mir völlig fremdes Gesicht. Ich war sehr verwundert und fragte mich, was der hier wohl wollte. Doch dann fiel mir ein, dass unsere Klassenlehrein uns vor einiger Zeit einmal mitgeteilt hatte, dass wir einen neuen Mitschüler kriegen würden. Das musste er wohl sein. Sie meinte, er komme aus Russland oder so. Jedenfalls stand er da, ganz allein, und ehrlich gesagt, hatte ich auch keine große Lust mich zu ihm zu gesellen. Ich ging zu meinen Freunden, welche anscheinend schon mit ihm geredet hatten, denn ich erfuhr, dass er Ilja hieß und erst seit kurzem hier in der Stadt war. Da es schon ziemlich spät war, hatte ich keine Zeit mehr über ihn rauszubekommen. Ein paar Minuten später kam auch schon unsere Klassenlehrein herein, gut gelaunt wie immer. Sie begrüßte uns kurz und fing dann gleich an über den neuen zu reden. Wir erfuhren, was wir auch vorher schon wussten, aber auch neue Informationen, zum Beispiel dass Ilja 15 Jahre alt war und zwei Brüder hatte. Mehr wurde uns nicht erzählt, da unsere Lehrerin meinte, wir könnten ihn selber befragen, und außerdem wolle sie jetzt mit dem Unterricht fortfahren. Nach dieser kurzen Ansprache startete sie den Unterricht. Man langweilte sich den Rest der Stunde und freute sich auf die kleine Pause. Nach weiteren 45 Minuten hatten wir dann große Pause. Ich stellte mich zu der üblichen Gruppe und wir redeten über alles Mögliche und als kurz Redepause war, schaute ich mich etwas in der Gegend um und sah, dass Ilja ganz allein auf einer Bank saß und etwas aß. Jedoch konnte ich nicht weiter darüber nachdenken, da Simon wieder anfing irgendwas zu labern.

Nach Schulende verabschiedete ich mich von allen und ging zügig nach Hause, da ich noch viel zu tun hatte. Auf halbem Wege fiel mir wieder die Situation in der Schule ein, die mit Ilja. Ich dachte mir, es ist schon schade, wenn jemand so ausgeschlossen ist, doch was soll man machen. Nachdem ich zu Hause angekommen war, erzählte ich meiner Mutter von dem Neuen, sie meinte natürlich sofort, ich könne ihn doch einladen. Aber davon hielt ich nicht viel, da ich ihn ja gar nicht richtig kannte.

Drei Wochen vergingen und Ilja war noch immer der einsame Außenseiter. Es sah auch nicht so aus, als ob sich das irgendwann ändern würde. Doch es kam anders.

Ich stand am Kiosk und wollte mir was zu trinken kaufen. Als ich gerade bezahlen wollte, fiel mir auf, dass mein Portemonnaie verschwunden war. Ich entfernte mich vom Kiosk und suchte den Boden ab. Als ich da nichts fand, durchsuchte ich noch einmal gründlich meine Taschen. Plötzlich tippte mir jemand von hinten auf die Schulter, ich drehte mich um und sah Ilja ins Gesicht. Ich fuhr ihn an, was er wolle und dass er mich in Ruhe lassen solle, doch er hob einfach seine Hand und zeigte mir mein Portemonnaie. Er gab es mir und ich bedankte mich, sehr verschämt, dass ich ihn so angemacht hatte. Ich versuchte ein Gespräch mit ihm anzufangen, doch er setzte sich einfach wieder auf die Bank.

Als ich zu Hause meiner Mutter davon erzählte, war sie ganz begeistert und riet mir mich doch mal mit ihm zu treffen. Dieses Mal dachte ich zumindest darüber nach.

Am nächsten Tag in der Schule setzte ich mich zu Ilja auf die Bank. Wir kamen schwer ins Gespräch, da ich erstens nicht wusste, über was wir reden sollten, und zweitens er nicht gut Deutsch konnte. Doch nach einiger Zeit ging es immer besser, er erzählte mir von seinen zwei Brüdern, dass der eine neun und der andere 17 Jahre alt sei und dass sie beide auf der Hauptschule seien. Außerdem erfuhr ich, dass er und seine Familie schon öfters umgezogen seien, da sein Vater keine feste Arbeitsstelle hätte. Er sagte mir, dass er vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen sei, er aber trotzdem nicht gut Deutsch könne, da in seiner Familie niemand deutsch mit ihm spreche. Es war alles sehr interessant und ich hätte gern noch mehr erfahren, doch es klingelte zur nächsten Stunde.

Nach der Schule fragte ich ihn, ob er sich nicht mit mir treffen wolle. Er zögerte nicht lange und bejahte. Also trafen wir uns um vier bei ihm. Seine Familie war sehr gastfreundlich. Es gab gutes Essen und wir redeten viel. Sie erzählten mir einiges über Russland. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, es war plötzlich schon fast acht. Ich sagte, dass ich nach Hause müsse. Iljas Vater bot mir an mich nach Hause zu fahren, doch ich erklärte ihm, dass ich gleich um die Ecke wohnte, was eigentlich gar nicht stimmte, aber ich wollte nicht noch mehr von seiner Zeit in Anspruch nehmen.

Ich hatte mich richtig mit Ilja angefreundet und wir trafen uns immer öfter. Nach einiger Zeit entstand sogar eine sehr gute Freundschaft. Meine anderen Freunde verstanden das nicht, sie fragten, was ich mit ihm wolle und dass er doch nur irgend so ein langweiliger Junge wäre. Ich antwortete ihnen meistens schon gar nicht mehr, da ich es scheiße von meine Freunden fand, schlecht über jemanden zu reden, den sie gar nicht kannten.

Jedenfalls nahm unsere Freundschaft ein abruptes Ende, denn Ilja und seine Familie zogen wieder um. Iljas Vater hatte eine Arbeitsstelle in Berlin bekommen. Doch ich versicherte Ilja, dass ich ihm regelmäßig schreiben würde und er mich auch anrufen könne. Auch er versprach mir, soweit es seine Rechtschreibung zuließ, zu schreiben.

Jamé Strysewske, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen 

 

Fremd 

Ein Fremder zog in das Haus ein. Der Fremde war ich. Ich war nicht nur unseren Nachbarn fremd, sondern auch fremd  mir selbst. Denn ich kannte mich noch nicht in der Rolle des Fremden, Unbekannten. Ich hatte diese Erfahrung noch nicht oft gemacht, irgendwo neu zu sein. In Filmen oder Büchern liest man häufig von Fremden. Sie sind dort meistens sehr unheimlich dargestellt, sodass man nicht das Gefühl hat, dass einem im Alltag oft ein solcher  Fremder begegnet, schon gar nicht, dass man selbst solch einer ist.

Es war kein gutes Gefühl, in eine geschlossene Hausgesellschaft zu ziehen. Ich war zwar immer der Größte und Älteste unter den Kindern, trotzdem war ich nicht in der Rolle, in der ich jetzt bin.

Es war auch nicht so, dass ich keine Freunde im Haus bekommen konnte, im Gegenteil, bald verstand ich mich mit einem gleichaltrigen Jungen sehr gut. Wir sind nach einer Zeit  richtig gute Freunde geworden. Aber ich verstand mich nicht mit allen so gut wie mit ihm. Vor allem mit einem kleineren Jungen, der dauernd zu den „Großen“ gehören wollte, was ziemlich nervig war und (ich war halt auch noch ein kleiner Junge in der vierten Klasse) mich ziemlich ängstlich machte, weil ich das Gefühl hatte, er nehme mir meinen Freund ein wenig weg.

Hin und wieder hörte ich Kommentare wie „Das darfst du nicht entscheiden, du bist neu hier!“ Ich fand das immer recht lächerlich, aber geärgert habe ich mich schon darüber.

Aber fremd ist man nur eine bestimmte Weile lang. Mittlerweile verstehe ich mich mit allen Mitbewohnern sehr gut. Wir fingen recht schnell an, Dinge mit einer der anderen Familien zu unternehmen.

Trotzdem gab es noch einige Zeit, vielleicht ein halbes Jahr lang einige unbedeutende Auseinandersetzungen zwischen den Halbwüchsigen. Auch wenn die Freundschaft zwischen mir und meinem ersten Freund sehr stark auseinander gegangen ist, verstehe ich mich mit jedem meiner Nachbarn gut.

Und mit dem Jungen, mit dem ich mich anfangs überhaupt nicht verstanden habe, komme ich richtig gut aus, denn er ist ein vernünftiger und netter Junge geworden. Es war auch alles nicht wild, denn er war noch nicht mal eingeschult, als ich ihn kennen gelernt habe, und was passiert war, sind doch letzten Endes nur kindische Auseinandersetzungen. Mittlerweile haben die drei Familien das Haus gekauft und unsere Hausgemeinschaft ist sehr stark. Ich bin sehr beruhigt, dass es so schnell vorbei war, fremd in unserem Haus zu sein. Und wenn ich höre, was es für schlimme Nachbarschaften gibt, kann ich nur beruhigt sein, dass wir eine so  gute Nachbarschaft pflegen.

Janos Löber, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Wie Pippi Langstrumpf

Ding-Dang-Dong“, das war die Schulglocke. Pünktlich mit dem Klingeln betrat Frau Schwindt das Klassenzimmer, doch sie war nicht allein. „Das ist Pauline. Pauline kommt aus Uslar und wird nach den Sommerferien in unsere Klasse gehen. Um uns alle kennen zu lernen ist sie heute nach Göttingen gekommen und wird  einen Schultag mitmachen“, stellte sie das Mädchen, das sie begleitete vor. An Pauline gewandt fuhr sie fort: „Am besten du setzt dich da drüben neben Nele. Gut, dann wäre das geklärt. Fangen wir an. Wer kann mir sagen was Substantive sind?“ 

Ich schaute mir Pauline genauer an. Mit ihren vielen Sommersprossen und den im Sonnenlicht fast rötlich glänzenden braunen Haaren erinnerte sie mich irgendwie an Pippi Langstrumpf, aber sonst machte sie einen zwar schüchternen, doch netten Eindruck.

Zwei Monate später hatte die Schule wieder angefangen und alles nahm seinen gewohnten Lauf, bis auf die Tatsache, dass ich jetzt in der vierten Klasse war und dass auch Pauline jetzt in die „4b“ ging. In den Pausen zeigte meine Freundin Nele, die ja auch neben Pauline saß, ihr alles, und da Nele und ich vorher immer die Pausen zusammen verbracht hatten, begleitete ich die beiden. Zuerst hielten Pauline und ich noch Abstand voneinander, aber irgendwann schmolz die Wand aus Eis und wir verstanden uns bestens. In den Pausen spielten wir zusammen Astronauten, liefen Stelzen und fuhren Rollbretter. 

Eines Nachmittags verabredeten wir uns dann zum ersten Mal. Wie ich mittlerweile wusste, war Paulines Mutter die neue Gemeindepastorin und deshalb wohnten sie ganz in der Nähe der Ortskirche. Ich schwang mich also auf mein Fahrrad und fuhr zu der Adresse, die Pauline mir gegeben hatte. Ein  bisschen nervös war ich schon, weil ich ja ihre ganze Familie und sonst auch nichts kannte. Dazu gab es aber, wie ich fünf Minuten später bemerkte, überhaupt keinen Grund. Ihre beiden älteren Schwestern Marie und Nora waren supernett, genau wie ihre Mutter. Wir aßen Kuchen, spielten ein paar Runden „Solo“, fütterten die vier Kaninchen der Familie und hatten jede Menge Spaß. Ein paar Tage später besuchte sie dann mich und immer so weiter. 

Mit der Zeit waren wir beide beste Freundinnen geworden und das ist auch heute noch so. Wir gehen jetzt in die achte Klasse und haben schon viel zusammen erlebt: Vier Klassen- und zwei Kirchfahrten, drei Kaninchentodesfälle, zwei zusammen verbrachte Ferien, drei Krippenspiele und vieles mehr...

Juliane Springer, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Vom Außenseiter zum Freund


Es war ein kalter nebliger Morgen,  ich kann mich ganz gut dran erinnern, denn das war der Tag, der alles im meinem Leben veränderte.

Es war der Tag des Umzugs.                                                                                                       

Mein Eltern Waren schuld. Nur weil sie nicht miteinander klarkommen, haben sie sich geschieden, und als wäre  das nicht schwer genug, muss meine Mutter noch in eine andere Stadt umziehen, um alles zu vergessen. Aber sie weiß nicht, dass sie damit mein Leben zerstört hat. Ich wollte mit meiner Mutter reden, aber ihr Entschluss war gefallen und  sie hörte mir sowieso nicht zu. Deshalb versuchte ich positiv zu denken, was nicht funktioniert hat, weil ich mich immer wieder fragte, ob ich neue Freunde finden würde und ob ich wieder Freude am Leben finden würde. Der Gedanke, der immer wieder kam, war, dass die Kinder in der neuen Stadt mich nicht hassen würden, denn das wäre das allerschlimmste, was mir noch passieren könnte. Ich konnte nicht schlafen, nicht vernünftig essen, weil diese Gedanken mich plagten .Das war eine harte Zeit für mich, denn ich wollte nicht, dass  sich irgendetwas  änderte.  Als wir dann in der neuen Wohnung waren, war mir mulmig, aber das war glaub ich meine Angst. Deshalb lenkte ich mich  durch Einräumen meines Zimmers  etwas ab. Da ich  zwei Möbelpacker hatte, denen ich  Befehle erteilen durfte, war mein Zimmer schnell fertig  und ich konnte noch ein bisschen mein neues Wohngebiet erkunden gehen. Ein paar Straßen weiter war  eine Eisdiele, die gerade zumachte. Von dort konnte man einen Sportplatz sehen. Dort spielten Kinder und Jugendliche Fußball. Eigentlich hätte ich ja gerne mitgespielt, aber  da ich depressiv war und  die Leute nicht kannte, wollte  ich nicht hingehen.  So wollte ich nach Hause gehen und dachte dabei über Kindergartenkinder nach. Denn wenn sich zwei  zum ersten Mal sehen, dann  dauert es nicht sehr lange, bis sie spielen.  Warum kann das nicht heute auch so sein???  Am nächsten Morgen  ging ich wieder zum Fußballplatz. Dort war keiner, also dachte ich über alles Mögliche nach, über die neue Wohnung, über meine alte Heimat und über meine Freunde, die ich nicht hatte. Nach einer halben Stunde kam eine Gruppe Kinder und Jugendliche zum Platz. Da kam dieses mulmige Gefühl wieder hoch. Ich guckte zu, wie sie Fußball spielten. Die waren gar nicht mal so schlecht. Plötzlich rollte der Ball zu mir. Als ich den Ball zurückkickte, fragte mich einer der Jungs, ob ich mitspielen wollte. Da war ich wie gelähmt, weil ich gar nicht damit gerechnet habe. Ich holte tief Luft und sagte Ja.  Ich stellte mich vor  und fragte, bei welchem Team ich spielen würde. Wir spielten bis spät in den Abend hinein und verabredeten uns für den nächsten Tag wieder.
Zu Hause erzählte ich alles meiner Mutter, die sich für mich freute.   Später dachte ich, dass dieser Umzug  nicht so schlimm war, wie ich ihn mir ausgemalt hatte. Ich glaub, ich hatte nur so schlechte Gedanken, weil ich  mich nicht von meiner alten Heimat nicht trennen wollte. Dieser Umzug war eher ein Neuanfang .  Ich war froh, dass ich keine Angst gehabt hatte hinauszugehen, denn sonst hätte ich nie Freunde gefunden.   

Lawashan Tharmakularajah, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Fremde

Der Umzugslaster fuhr los und da standen sie nun mit ihren unendlich vielen Umzugskartons. Ihre Eltern fingen sofort an, die Sachen im neuen Haus zu verteilen, doch das Mädchen stand die ganze Zeit nur da. Einfach nur da, sie wollte den Einzug nicht unterstützen. Auf Bitten ihrer Mutter, doch mitzuhelfen, reagierte sie nicht und so wurde es später und später. Die Sonne ging langsam unter und sie begann zu frösteln und da fiel ihr das erste Mal auf, wie grau diese Häuser hier waren. Mit Fenstern, die Löchern glichen. So unwillkommen hatte sie sich noch nirgends gefühlt. Und so menschenleer war es in ihrem früheren Zuhause auch nicht gewesen. Ja stimmt, sie hatten noch keine Menschenseele hier gesehen. Früher wären alle gleich rausgerannt, hätten geguckt, hätten geholfen, aber hier? Nichts! Nun kam die Mutter des Mädchens raus und sagte, sie solle doch endlich reinkommen, also folgte sie ihr langsam ins Haus und ging in das Zimmer, das für sie vorgesehen war. Sie legte sich auf die Matratze und versank langsam in  Gedanken. Zu Hause hätte sie das Zimmer jetzt mit ihrer besten Freundin eingerichtet, aber hier? Nichts! Oder sie hätten sich mit den Nachbarn einen lustigen Abend gemacht, aber hier? Nichts! Langsam rollte ihr eine Träne über das Gesicht und es wurden immer mehr. So lag sie da den ganzen Abend und ihre Eltern waren immer noch mit Ausräumen beschäftigt und hatten ihre Tochter ganz vergessen. Am nächsten Morgen weckte ihre Mutter sie. Das Mädchen stand auf und machte sich fertig. Ihre Mutter wünschte ihr nur viel Spaß bei ihrem ersten Schultag und war schon wieder hinter irgendwelchen Kisten
verschwunden. So machte sie sich also auf ihren Weg Richtung erster Schultag, vielleicht aber auch Richtung neues   Leben. Die Schule war nur ein paar Straßen weiter, ihre Mutter hatte ihr den Weg bei der Ankunft gezeigt. Dort angekommen wartete zum Glück schon ihre neue Klassenlehrerin auf sie. Verdutzt schaute diese sich nach ihren Eltern um. Das ist wieder typisch, dachte das Mädchen, alles muss ich alleine machen. Die Lehrerin hatte sich schnell wieder gefasst, setzte ihr „Es-wird-alles-gut-Lächeln“ auf und führte das Mädchen zu ihrer neuen Klasse. Dort stand sie nun vorne vor allen anderen neben der Lehrerin, schlimmer ging es gar nicht. Sie wurde der Klasse kurz vorgestellt und mit dem beendenden Satz „Seid alle schön nett zu ihr“ durfte sie sich in die letzte Reihe neben ein arrogant wirkendes Mädchen setzen. Die Schule ging nur sehr langsam vorbei und es war sehr viel Getuschel in der Klasse. Von allen wurde sie gemustert. Was die wohl alle denken, fragte sie sich.
Nach der Schule schlenderte sie langsam nach Hause. Der erste Tag war furchtbar, schlimmer als sie ihn sich vorgestellt hatte. Zu Hause wechselte sie kaum ein Wort mit ihrer Mutter. Ihr Vater war arbeiten. Nur wegen dieser Arbeit waren sie hierher gezogen. Dieser blöde Job!
Sie verkroch sich nach oben und fraß den ganzen Frust dieses Tages in sich hinein. Das Mädchen dachte noch mal über den Schultag nach und fragte sich, warum sie denn keiner angesprochen hatte. Für die anderen ist das doch viel leichter als für mich! Sie aßen Abendbrot zwischen Umzugskartons. Ihr Vater kam erst später, also waren sie nur zu zweit. Die Mutter war noch immer sauer, weil das Mädchen nicht mithalf, und die Tochter, weil sie von ihrer Mutter nicht verstanden wurde. So war die schlechte Laune des anderen für beide kaum aushaltbar, also gingen sie sich aus dem Weg.

Der nächste Morgen verlief wie der erste, ihr Vater war schon wieder weg und ihre Mutter immer noch mit Packen beschäftigt. So war sie schon früher in der Schule, sie hatte es zu Hause einfach nicht mehr ausgehalten. Es waren nur das Mädchen, neben dem sie gestern gesessen hatte, und noch die Blonde aus der ersten Reihe da. Still setzte sie sich auf ihren Platz, als plötzlich die Blonde zu ihr kam und fragte: „Wo wohnste denn jetzt eigentlich?“ Das Mädchen beantwortete schüchtern die Frage, überlegte dann aber das Gespräch weiterzuführen.
Bald schon hatten sie die Grunddaten durch und es wurde interessant. Sie tauschten sich über Volleyball aus und redeten über den Verein, in dem die Blonde spielte. Erst, als es klingelte, hörten sie auf zu quatschen. Die Stunden schlichen nur so dahin, aber dann klingelte es endlich zum Unterrichtsschluss. Nun ging das Mädchen auf die Blonde zu und fragte sie nach den
Trainingszeiten des Vereins. Die Blonde meinte, sie könnten ja auch zusammen nach Hause gehen. Das wäre für sie nur ein kleiner Umweg. Als sie bei dem Mädchen zuhause angekommen waren, redeten sie noch kurz und verabredeten sich dann zum Einräumen des neuen Zimmers für drei Uhr. Es war kurz nach drei, als die Blonde kam. Zusammen räumten sie das Zimmer ein, veränderten hier was und hingen dort ein Bild auf und am Ende war es doch ein sehr schönes Zimmer.
Als es etwas später wurde, verabschiedete sich die Blonde und sie hatten sich für morgen beim Training um elf Uhr verabredet. Morgen war Samstag und gleichzeitig noch Training. Sie wollte schon immer mal in einem Verein spielen. Ja, vielleicht kann das ja hier doch ganz schön werden, dachte sie und so schlief sie ein.

Lena Kastner, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Als ich mich fremd fühlte 

Letzen Sommer bin ich mit meiner Freundin Claudia an die See gefahren. Wir beide hatten uns schon seit Wochen darauf gefreut. Es war nämlich so, sie fuhr eigentlich jede Ferien mit ihren Großeltern an die Ostsee, doch in den letzen Jahren wurde es ihr immer langweiliger und dieses Mal fragte sie mich, ob ich mit ihr zusammen fahren wolle. Ich kannte ihre Großeltern kaum, doch dass Claudia ziemlich verwöhnt war und dass sie immer das bekam, was sie wollte, wusste ich.

Eigentlich war ich immer sehr schüchtern und fuhr auch immer nur mit meiner Familie in den Urlaub. Vielleicht hätte ich mich auch anders entscheiden sollen, doch Claudia drängte mich so mitzufahren, dass ich kaum nein sagen konnte.

Diese Ferien waren die unvergesslichsten und wahrscheinlich auch schlimmsten, die ich je hatte. 

Alles fing ganz harmlos an. Morgens früh holten mich ihre Großeltern und Claudia mit dem Auto ab, um loszufahren.  Sie packten meine schwere Reisetasche in den Kofferraum und ich verabschiedete mich von meiner Familie. Dann fuhren wir los. Schon auf der Fahrt hatte ich so ein komisches Gefühl. Immer wenn ich mit meiner Familie wegfuhr, lachten wir die ganze Autofahrt und wir hatten uns immer etwas zu erzählen. Hier war das ganz anders, die ganze Zeit schwiegen wir uns an. Es kam höchstens mal so was wie „Schau mal da vorne.“ oder „Wann sind wir denn endlich da?“ raus. Ich kam mir so fremd vor.

Als wir endlich ankamen, war ich ziemlich erleichtert und auch ganz schön glücklich, dass der Urlaub nun richtig anfangen konnte. Ich dachte, dass jetzt alles ein bisschen lockerer ablaufen würde. Doch ich irrte mich!

Wir packten unsere ganzen Sachen in die Schränke und gingen ein bisschen an den Strand. Meine Freundin sah ein tolles Restaurant und sie wollte dort unbedingt etwas essen. Es sah ziemlich teuer aus. Ihre Großeltern waren damit natürlich einverstanden, denn Claudia bekam ja so ziemlich alles, was sie wollte. Wir setzten uns und meine Freundin musste natürlich auch das teuerste Essen bestellen. Ich kam mir etwas komisch vor, als sie da mit ihren Krabben und ihrem Fischfilet saß und ich mir  nur eine Portion Pommes ausgesucht hatte. Eigentlich ging das dann jeden Abend so.

Am nächsten Tag gingen wir in die Stadt. Anfangs war es ja noch ganz schön, doch als Claudia an fast jedem Laden stehen blieb, um sich etwas von ihren Großeltern kaufen zu lassen, verging mir die gute Laune. Ich fühlte mich schon gar nicht mehr wohl. Mit meiner Familie war es immer viel schöner, denn wir genossen nicht nur die ganzen Geschäfte und Restaurants, sondern auch das Meer und die Sonne.

In der Ferienwohnung musste ich mir mit Claudia ein Zimmer teilen. Ich schlief recht gut, doch als sie mir am nächsten Morgen erzählte, dass ich mich ziemlich oft gedreht und sie damit gestört hätte, war die zweite Nacht dafür umso schlimmer. Nun lag ich in meinem Bett und hatte fürchterliches Heimweh. Zu meinem Glück war es nun auch schon die letzte Nacht. Also würde ich morgen wieder bei meiner Familie sein und endlich nicht mehr meine nervige Freundin ertragen müssen. Unausgeschlafen erwachte ich am nächsten Morgen. Claudia und ihre Großeltern hatten schon gepackt und ich musste mich total beeilen.

Damit fing für mich der Tag natürlich wieder perfekt an. Als auch ich dann fertig war, hatten meine Freundin und ihre Großeltern schon gefrühstückt, womit ich dann noch mehr hinterherhing. Wir packten noch schnell das Auto, welches wirklich bis zum Überlaufen voll war und Claudia meinte, dass mein Koffer bestimmt da bleiben müsse, weil er nicht reinpasse. Ich guckte sie verwundert an, doch dann sagte sie, dass das nur ein Scherz gewesen sei. Ich fand das gar nicht lustig, denn so etwas kommt bei denen bestimmt schon mal vor, dachte ich nur. Natürlich haben wir ihn dann doch rein bekommen. Die Rückfahrt verlief genauso still ab wie auf der Hinfahrt und ich hatte auch nichts anderes im Kopf als meine Familie.

Als wir dann endlich ankamen, konnte ich voller Freude meine Familie in den Arm schließen. Ich war überglücklich, dass ich nun wieder zu Hause war.

Und ich glaube nächstes Mal wenn Claudia mich fragt, ob wir wieder zusammen wegfahren wollen, denke ich mir irgendeine Ausrede aus, denn das waren wirklich die schlimmsten Ferien, die ich je hatte.

Leona Linde, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Neu in der Stadt

Hallo, ich bin Marleen und möchte euch über ein Stück meines Lebens berichten.
Es fing alles ganz plötzlich an, denn bis vor kurzem lebte ich noch in einem ganz kleinen Dorf in der Nähe von München und habe ein ganz normales Leben geführt. Ich stand morgens um halb sieben auf, zog mich an, frühstückte und fuhr mit der S-Bahn zur Schule.
Als ich eines Mittags von der Schule nach Hause kam, saß mein Vater schon am Esstisch. Ich hörte schon im Flur, dass meine Eltern lautstark diskutierten. Ich fragte dann auch sofort, was los sei. Papa wollte erst nicht mit der Sprache rausrücken, aber dann sah er an dem Blick meiner Mutter, dass er es mir erzählen sollte. Er sagte, er sei gekündigt worden und dass wir umziehen  müssten. Ich rannte daraufhin sofort in mein Zimmer und rief meine beste Freundin Franzi an. Die erste Viertelstunde verstand sie mich nicht, da meine Zunge etwas vom Schock gelähmt war. Aber dann verstand sie und heulte mit mir sagenhafte zwei Stunden.
Als ich mich dann etwas beruhigt hatte und mein Blick klarer wurde, sah ich mich in meinem Zimmer genau um. Es sah alles so anders aus. So leer. Ich ging zu meinem Kleiderschrank und öffnete ihn. Dann stieß ich einen spitzen Schrei aus. Mein Kleiderschrank war leer, in ihm standen nur zwei vollgestopfte Koffer. Da kam meine Mutter herein und fragte mich, was los sei. Dann folgte sie meinem Blick in den Kleiderschrank und fügte kaltherzig hinzu, dass in einer Stunde ein großer Transporter komme und die ganzen Möbel abhole. Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen. Ich schrie meine Mutter an: ,,RAUS´´! Sie verstand und sagte nur noch kleinlaut, dass ich meine Bücher in Kartons einpacken sollte und legte in dem Moment zwei große Kartons neben meine Zimmertür.
Ich und Franzi hatten noch halbe Stunde, dann kamen zwei kräftige Männer durch meine Tür und nahmen das Sofa und mein Bett. Von da an redete ich kein einziges Wort mehr mit meinen Eltern in der Hoffnung, sie würden nachgeben und wir nicht umziehen.
Die Autofahrt war der reinste Alptraum, die Sonne schien und es war erstickend heiß im Auto. Natürlich erstickte ich auch an meinen nichtgeweinten Tränen. Zweimal mussten wir mit dem Auto anhalten, weil ich es nicht mehr aushielt. Beim zweiten Mal konnte ich mich dann endlich übergeben.
Als wir dann ankamen, trug ich meine schweren Koffer selbst in das neue Haus. Noch immer aus Trotz. Aber als ich dann mein Zimmer sah, staunte ich nicht schlecht. Es war doppelt so groß, wie mein altes. Die Möbelpacker waren wohl schon da gewesen, denn mein Bett und mein Sofa standen schon mitten im Raum. Ich setzte mich erst einmal und schlief kurze Zeit später ungewollt ein.
Am nächsten Morgen weckte mich meine Mutter mit Kakao und frisch gebackenen Brötchen.
Erst wunderte ich mich, wo ich überhaupt war, aber dann fiel mir der gestrige Tag wieder ein.
Mit der schrecklichen Nachricht des Umzugs, der noch schrecklicheren Autofahrt, das Telefongespräch mit meiner Freundin.
Ich bedankte mich bei meiner Mutter für den Kakao und die Brötchen und fragte sie, ob es hier wohl auch ein Telefon geben würde. Sie brachte es mir Stunden später, da sie noch mit dem Einräumen beschäftigt war. Sofort versuchte ich Franzi zu erreichen, aber leider war sie nicht da. Tja, wenn man die beste Freundin wirklich braucht, dann ist sie nicht zu erreichen. Typisch. 

Nach dem 27. Anruf, gab ich es auf und machte mich auf den Weg, das Haus zu erkunden. Meine Eltern mussten gestern Abend wohl noch sehr fleißig gewesen sein, denn alles in allem war dieses Haus mit einer "1" locker zu bewerten.
Alle Zimmer waren in unterschiedlichen Frühlingsfarben gestrichen. Die schönste Farbe war die im großen Badezimmer. Es war türkisblau mit lilanen, edel aussehenden Kacheln gefließt, auf denen jeweils eine wunderschöne Orchidee abgebildet war. Als ich zurück in mein Zimmer kam, entdeckte ich, dass meine Zimmerfarbe dieselbe wie auf den Kacheln war.
Ich hatte , fand ich zumindest, das zweitschönste Zimmer. Es war hell und in zwei Bereiche getrennt: meinen Entspannungsbereich und meinen Arbeitsbereich.Gestern Abend hatte ich noch nicht einmal das riesige wunderschöne Orchideenbild im Arbeitsbereich hängen sehen.
Der Tag ging mit Schreibtisch kaufen, Möbel zurechtrücken und Dekorieren rum. Am nächsten Tag musste ich früh aufstehen, um in die Schule zu gehen. Ich hatte große Angst, denn ich ahnte schon, dass dieser Tag noch schlimmer als der Umzug werden könnte.
Aber so schlimm, wie ich gedacht hatte, war der erste Schultag dann doch nicht. Ich entdeckte gleich ein Mädchen, dass mir sympathisch war. Mit ihr verbrachte ich meine Pause in einer Ecke, wo wir ungestört reden konnten. Was mir nicht so gefiel, war meine Vorstellung vor der ganzen Klasse. Alle starten mich gespannt an und ich bekam keinen Ton heraus.
Als ich nach Hause kam, gab es erst einmal nur Brot zu essen, denn meine Mutter war noch nicht zum Einkaufen gekommen.

Jetzt, wo ich dieses hier schreibe, sind drei Wochen vergangen.
Ich denke mit einem Lächeln in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Meine Freundin Franzi meldete sich bisher nicht, aber mit meiner neuen Freundin Sara mache ich jeden Tag etwas. Ich habe daraus gelernt, dass eine Veränderung im Leben nicht schaden kann.

Linda Weikum, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Die Hölle heißt Freiburg 

„Fang den Ball“ ,rief Max und donnerte Thorsten den harten Lederball ins Gesicht. Während Thorsten zu Boden fiel, war er von schallendem Gelächter umgeben. Thorsten war diesen Sommer nach Freiburg gezogen und besuchte dort auf der Großberg-Grundschule die Klasse 4c. Er war klein, ziemlich dick und trug eine große Hornbrille. Thorstens Eltern waren sehr reich, doch sie hatten nie Zeit ihrem Sohn zuzuhören und sich um seine Probleme zu kümmern. Thorsten war von Anfang an der Außenseiter der Klasse. Dabei war er eigentlich ein sehr netter und hilfsbereiter Junge.

„Verdammt“, dachte Thorsten, als er abends im Bett lag, wenn Max nur nicht so gemein wäre, er würde bestimmt merken, dass ich eigentlich ein netter Junge bin. Thorstens Eltern waren mal wieder auf Geschäftsreise, nur das Kindermädchen war da, aber Thorsten mochte sie nicht besonders. Thorsten hatte keine Lust morgen in die Schule zu gehen, Max würde ihn bestimmt wieder ärgern.

Doch es sollte alles anders kommen...

Am nächsten Morgen quälte sich Thorsten aus dem Bett und zwang sich in das viel zu enge T-Shirt.

Thorsten ging extra langsam zur Schule, um Lästereien schon vor dem Unterricht zu vermeiden. Er kam noch gerade pünktlich zum Matheunterricht, den Frau Hobel leitete. Frau Hobel war eine nette, alte Dame, die Thorsten sehr mochte. Als sie ihn wieder einmal drannahm, rief Max: “Nehmen sie doch nicht dauernd den fetten Fleischklops dran, ich möchte auch mal etwas sagen.“ „Also Max“, sagte Frau Hobel entsetzt, „das hätte ich echt nicht von dir erwartet! Ich werde auch deine Eltern anrufen!“

Nach der Schule lief Max tränenüberströmt nach Hause, er hatte Angst vor der Reaktion seiner Eltern, doch er wollte auch nicht, dass ihn einer so sah. Aber Thorsten folgte ihm unauffällig. Max weinte so sehr, dass er nicht bemerkte, dass er auf eine Straße zulief und dass von links ein Auto auf ihn zuraste. „Halt“, rief Thorsten und hielt Max fest. Im selben Moment schoss das Auto an ihnen vorbei. „Danke“, stammelte Max. „Möchtest du vielleicht mit zu mir nach Hause kommen?“ „Gerne“. sagte Thorsten, „bei mir ist sowieso niemand zuhause“. Als die beiden bei Max ankamen, sagte Max’ Mutter: „Frau Hobel hat gerade bei mir angerufen, du hättest Thorsten, einen Mitschüler, beleidigt! Und wen hast du da überhaupt mitgebracht?“ „Das ist Thorsten, er hat mir gerade das Leben gerettet, wir sind jetzt Freunde!“ „Ja genau, und dann hat mir Max angeboten, mit zu ihm zu kommen“. „Ach so, wir hatten vor, heute ins Kino zu gehen, wenn du Lust hast, kannst du mitkommen, ihr könnt schon mal zum Auto gehen!“, sagte Max’ Mutter.

Später am Kino: „Ha ha ha“,  erschallte es hinter ihnen, „ich glaub es nicht, Max ist mit dem hässlichen Dicken befreundet.“ Es war Freddi, er war eigentlich ein Freund von Max. „Sei bloß ruhig, du warst doch noch nie ein echter Freund von mir, außerdem weißt du gar nicht, ob Thorsten nett ist oder nicht“, schrie Max. „Danke“, sagte Thorsten „wovon handelt der Film eigentlich, in den wir jetzt gehen?“ „Och, der handelt von einem Jungen, der neu in eine Stadt zieht. Erst mag ihn keiner, doch dann passiert etwas, er rettet einem anderen das Leben und gewinnt so seinen ersten Freund, der ihn sogar vor seinen alten Freunden beschützt!“

„Ehrlich?“ fragte Thorsten. „Nein! Aber in welchen Film wir gehen, bleibt mein Geheimnis...“

Lukas Schlieker, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Umzug in ein neues Leben 

Die Autotür schlug zu. Hier saß ich nun also auf dem Rücksitz unseres alten Golfs auf dem Weg in ein völlig neues Leben.

Wie es dazu kam? Gute Frage! Wenn ich das nur wüsste, aber ich wurde ja nicht gefragt, es hieß immer nur: „Komm schon Lisa, das wird bestimmt aufregend, in die Stadt zu ziehen und du findest bestimmt auch bald neue Freunde!“

Ich wollte aber keine neuen Freunde, ich hatte nämlich schon die drei besten Freundinnen auf der ganzen Welt! Außerdem hasste ich die Stadt mit ihren ganzen verstopften Straßen, den zugemüllten Bürgersteigen und den unfreundlichen Leuten.

In unserem Dorf kannte jeder jeden und alle waren immer hilfsbereit. Unsere Familie (Mama, Papa, Maxi und ich) wohnte in einem kleinen Haus direkt am Fluss, in dem ich, als ich noch jünger war, mit meinen Freunden immer versucht habe, Fische zu fangen, und auch als ich älter wurde, saß ich immer noch gerne auf dem Steg und ließ meine Füße ins Wasser baumeln. Aber das war jetzt vorbei, denn wir zogen in eine Wohnung im 6. Stock eines sechsstöckigen Hochhauses, wo es weder einen Fluss, noch irgendein Fleckchen Grün gab, sondern nur Grau, Grau und nochmal Grau : graue Häuser, graue Straßen und grauen Himmel. Maxi machte das natürlich nichts aus. mein kleiner Bruder, der neben mir in seinem Kindersitz hockte, klebte die ganze Zeit mit der Nase am Fenster und krähte: „ Duk ma, duk ma, Auto! Isa duk ma!“

Als wir in der Stadt ankamen, regnete es und wir standen im Stau. Das fing ja gut an. Nach mindestens einer Stunde Herumgekurve (wie soll man sich an so einem riesigen Ort auch zurecht finden?!) waren wir endlich da: Ringstraße Nummer 106. so viele Häuser gab es bei uns gar nicht. Das sollte also unser neues Zuhause werden. Meine Mutter war natürlich total begeistert und fing sofort an, unsere Sachen auszuräumen, während ich mich um Maxi kümmerte, der total begeistert „Fartul, Fartul!“ plärrte, als wir ins Treppenhaus kamen und ich ihn davon abhalten musste, alle Knöpfe auf einmal zu drücken.

Die Wohnung war eigentlich ganz schön, mal davon abgesehen, dass sie vollkommen leer war. Trotzdem mochte ich unser altes Fachwerkhaus viel lieber.

Als am nächsten Morgen mein Wecker klingelte, konnte ich kaum aufstehen, denn ich hattte furchtbare Rückenschmerzen. Wir waren gestern Abend nicht mehr dazu gekommen, mein Bett aufzubauen, also musste ich auf einer Matratze auf dem Boden mitten in meinem kahlen, zukünftigen Zimmer schlafen.

Zuerst wusste ich nicht, wo ich war, und dachte ich läge zu Hause in meinem Bett, doch dann fiel mir wieder ein, wo ich wirklich war und – und das war das Allerschlimmste – dass heute mein erster Schultag anfing. Mir wurde schlecht. Obwohl mein Magen eben noch vor Hunger geknurrt hatte, kam es mir jetzt so vor, als würde ich in den nächsten paar Jahren keinen Bissen runterbekommen. Widerwillig zog ich mich an und ging in die Küche. Am liebsten wäre ich den ganzen Tag auf der Matratze liegen geblieben. In dem schon einigermaßen eingerichtetem Raum saß Papa am Küchentisch, trank Kaffee und las Zeitung wie jeden Morgen ,während Mama Maxi fütterte und versuchte, ihn davon abzuhalten, seine Schüssel mit Haferbrei auf den Kopf zu stellen. „Lisa, du musst dich mit dem Essen beeilen, es ist schon viertel nach sieben. Heute bringt dein Vater dich noch mit dem Auto, aber die nächsten Tage kannst du dann mit dem Fahrrad fahren,“teilte sie mir mit, während sie Maxis Hände von der Schüssel löste.

Eine viertel Stunde später saß ich mit Papa im Auto auf dem Weg zur Gesamtschule.

„Du schaffst das schon, mein Schatz“, meinte er, als er mich am Haupteingang absetzte.  

Das war nun wahrscheinlich der schlimmste Moment überhaupt. Ich stand vor der Tür des Klassenraumes der 8e und konnte mich einfach nicht dazu durchringen hineinzugehen. Was würde mich dort drinnen erwarten? Würden die anderen Schüler nett zu mir sein oder wäre ich die ganze Zeit allein, eine Außenseiterin? Konnte ich überhaupt jemals dazugehören?

Schließlich rang ich mich dazu durch, zu klopfen und einzutreten. Mindestens dreißig Augenpaare waren auf mich gerichtet und ich spürte schon, wie ich zusammenschrumpfte und ich wusste: Ich passte einfach nicht hierhin.

Madina Bierwirth, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Neu in der Klasse 

Sara war neu in die Klasse gekommen. Sie war das schon gewöhnt, weil sie oft umgezogen war, aber trotzdem hatte sie Bauchkribbeln. Sie mochte auch dieses Gefühl nicht, wenn sie alle anstarrten. Am liebsten wäre sie an ihrer alten Schule für immer geblieben, aber der Job ihrer Eltern ließ das nicht zu. Noch dazu kam, dass sie ein wenig pummelig war. Dabei war das gar nicht ihre Schuld. Sie aß immer gesund: Viel Obst und Gemüse und alles nur Bio. Außerdem machte sie viel Sport, jeden Tag ging sie joggen und sie tanzte. Immer wenn sie neu in eine Klasse kam, dachte sie, die Schüler würden nur auf ihren Bauch starren, was aber eigentlich nie der Fall war. 

Also stand sie vorn neben dem Lehrerpult vor ihrer neuen Klasse. Alle Augen waren auf sie gerichtet. „Das ist eure neue Mitschülerin Sara Metzger. Sie ist in den letzen zwei Jahren dreimal umgezogen. Bitte seid nett zu ihr und schließt sie nicht aus. Mia! Sara wird sich neben dich setzen", erklärte der Klassen-, Physik- und Mathelehrer Herr Meyer. "Äh Sara, würdest du bitte...?", sagte er und wies mit der Hand auf den freien Stuhl neben Mia. "Mia wird dir alles weitere erklären!", sagte er, doch Mia musterte Sara von oben bis unten, zog dann eine Augenbraue hoch und kritzelte dann etwas unauffällig auf einen Zettel. Und als Herr Meyer grad nicht hinsah, warf sie ihn dem Jungen hinter ihr auf den Tisch. Und das alles ohne auch nur einmal den Blick von Sara abzuwenden. Es sah nicht so aus, als würde sie ihr irgendetwas erklären wollen. Aber Sara hatte keine Wahl und sie setzte sich neben Mia. Als es zur Pause läutete, stürmten alle mit einem Mal aus der Klasse und Sara beschloss sich ihnen anzuschließen. Auf dem Schulhof stand sie dann allein in einer kleinen Ecke und langweilte sich. Und so ging es auch die nächsten Tage. Aber das war nicht das schlimmste. Das schlimmste war, dass immer, wenn sie zur Schule kam, Oliver (der Junge, der hinter Mia saß) ihr ein Bein stellte oder sie schubste. Dann kam sie immer mit dreckigen Klamotten in die Klasse. Und einmal blutete sie sogar am Ellenbogen. Wenn sie dann so in die Klasse kam, machte Mia ein abfälliges Gesicht und schrieb einen Zettel an Oliver. Aber sie wollte  auch nicht zu einem Lehrer gehen, denn das hatte sie an einer Schule schon einmal gemacht und wurde danach als eine Streberin, Schleimerin und als Petze beschimpft. Sie wollte es sich nicht noch schwerer machen, als es ohnehin schon war. 

Doch eines Tages kam noch ein neues Mädchen in die Klasse- Johanna. Jetzt waren alle so gemein zu Johanna und keiner mehr zu Sara. Zuerst schien sie das zu genießen, da sie ja nicht mehr fertig gemacht wurde, doch Freunde hatte sie immer noch nicht. Und außerdem kam sie sich ziemlich doof vor, wie Johanna und sie so jede Pause in ihren Ecken standen und schwiegen. Also fasste sie sich ein Herz und am nächsten Tag vor der Schule, als Oliver gerade Johanna ein Bein gestellt hatte, ging Sara zu ihr und half ihr auf. Sie kamen ins Gespräch. Alle anderen gingen hinein, doch Sara und Johanna blieben draußen und redeten. Sie redeten und redeten. Über Gott und die Welt. Wie es ihnen nach ihrem Umzug ging und ALLES was ihnen dazu einfiel. Als sie geendet hatten, hatte die vierte Stunde gerade angefangen. Sie stürmten ins Klassenzimmer. Einige lachten und bald lachte die ganze Klasse. Sogar die Englischlehrerin Frau Raute verzog ihren Mund zu etwas wie einem Lächeln. Doch sie besann sich schnell wieder und brummte ihnen Nachsitzen auf.

Das Nachsitzen war der reine Horror und wie sollte sie das denn ihrer Mutter erklären? Aber Johanna drehte sich um, zwinkerte ihr zu und grinste.

Da war alles nur noch halb so schlimm, denn jetzt hatte sie eine Freundin.

Jetzt war alles gut!

Mara Schulz, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Fremd


Er wachte am Straßenrand auf, er versuchte sich daran zu erinnern
was passiert war. Doch so sehr er sich auch anstrengte, die
Erinnerung kam nicht zurück. Das einzige, was er wusste, war,
dass er irgendwo auf einer wenig befahrenen Straße entlangging.

Alles, was ihm blieb, waren seine rationalen Erinnerungen und er
selbst. Nichts ergab einen Sinn, bis auf eine Platzwunde am
Hinterkopf. Er hatte keinen Ausweis in der Tasche oder sonst
irgendetwas, was seine Identität preisgeben könnte.

Auf einmal sah er eine Waffe auf dem Boden liegen. Er konnte
sich plötzlich genau daran erinnern: an den Ort, wo er in diesem
Moment stand, an die Waffe, die vor ihm lag. Doch mehr gab sein Gedächtnis nicht preis.

Nun ging er die Straße entlang in der Hoffnung, noch mehr
Hinweise auf seine Persönlichkeit, seine Herkunft oder
warum er dort war und wo dieser Ort eigentlich zu finden war.

Er war sich selbst entfremdet und ging weiter orientierungslos
und verwirrt die Straße entlang. Er wusste nicht, welcher Tag war.
Dem Stand der Sonne und den Krokussen nach zu urteilen
war es ein warmer Frühlingsmorgen.

Nachdem er einen Kilometer gelaufen war, fand er einen leblosen
Frauenkörper. Auf einmal kam die Erinnerung wieder. Jetzt
machte alles einen Sinn: der Stein, neben dem er aufgewacht war,
die lehre Patronenhülse neben dem toten Körper und die
Waffe.

Mit dieser Schuld konnte er nicht weiter leben. Er nahm
die Waffe und setzte seinem nun trostlosen Leben mit
einem Schuss in die Schläfe ein bitteres Ende

Marcel E. Baumert , Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

                                                                                                          
 

Neu in der Stadt

Ich bin Peter, bin 11 Jahre alt und bin kürzlich von Bremen, in die Nähe von Hamburg gezogen. Ich habe keine Geschwister, sondern „nur“ meine Eltern.

Mein Vater ist ein sehr beschäftigter Mann und wird wegen seiner Arbeit oft versetzt, da er sehr beliebt ist. So mussten wir wieder einmal  wegen dem Beruf meines Vaters umziehen. Wir sind in ein Wohngebiet gezogen, wo es schön grün ist; Ein kleiner Wald ist in der Nähe. Es gibt mehrere kleine Spielplätze, die aber für mich nichts mehr sind, da ich ja schon 11 bin.

Doch ich fand zuerst keine Freunde. Es waren gerade Sommerferien und ich war gespannt, wie wohl  meine Klasse sein wird.

Am ersten Schultag war ich sehr nervös, da ich keinen kannte, und ich war gespannt, wie meine Kasse war. Zuerst ging ich zum Direktor, der mir dann sagte, wo und wer die Klassenlehrerin ist. Meine Klassenlehrerin begrüßte mich sehr freundlich und stellte mir die Klasse vor. Ich sollte mich zuerst ganz vorne hinsetzen, neben einen Sven. Er machte einen netten Eindruck auf mich und empfing mich sehr nett, wofür ich dankbar war. Letztendlich wurde Sven ein guter Freund von mir.

Der Rest der Klasse fragte mich in der Pause, woher ich komme, warum ich hier bin und sonstige Sachen, die sie interessierten.

Ich fand meine Klasse sehr nett, da sie mich gleich aufnahmen in die Gemeinschaft, was nicht immer der Falle ist. Ich fand heraus, dass wir vieles gemeinsam hatten und verabredete mich oft, mit meinen neuen Freunden.

Sven hat mir die Stadt gezeigt, wo es die besten Sachen gibt, wo Geschäfte sind und so weiter. Nach zwei Wochen kannte ich mich gut aus, und hatte sogar schon eine Stamm Eisdiele, wo wir uns manchmal nach der Schule trafen.

In der Schule stellte sich allerdings heraus, dass die anfangs nette Lehrerin ziemlich fies war, und streng bewertet.

Meine Eltern haben auch Freunde gefunden und fühlen sich wohl. Nach einem halben Jahr, indem wir uns richtig eingelebt hatten, so als ob wir schon immer hier gewesen wären, erzählte mein Vater uns, dass sein Arbeitgeber ihn auf einen anderen Posten gesetzt hat. Als er das gesagt hat, war ich ziemlich traurig, da ich nicht schon wieder umziehen wollte, doch zum Glück, wurde mein Vater nicht all zu weit wegversetzt, so dass er pendeln kann. Bis jetzt, wurde mein Vater noch nicht weggesetzt und ich glaube, da er von seiner jetzigen Arbeitsstelle nicht mehr weg will, da er sich mit allen gut versteht und nebenbei auch noch gut bezahlt wird. 

Das Erlebnis, irgendwo neu zu sein, ist eigentlich nicht so schlimm, wenn man nett empfangen wird, wie in unserem Fall, weil man sich dann willkommen fühlt und nicht einsam. Doch wenn man nicht willkommen ist, da die anderen eine geschlossene Gemeinschaft bilden, ist es sehr schwer sich einzuleben.

Da ich zum Glück in eine freundlich Klase gekommen bin, fand ich den Umzug gut, da ich nachher mehr Freunde hatte als vorher.

Die Stadt kenne ich jetzt auch ziemlich gut und ich fühle mich hier zu Hause. 

Insgesamt bin ich der Meinung, dass man sich überall zu Hause fühlen kann, wenn man in die Gemeinschaft aufgenommen wird und nicht als Außenseiter behandelt wird.

Markus Körner, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Fremd in der Stadt

Nun war es passiert. Meine Mutter hatte nach langer Suche endlich einen neuen Job in einer anderen Stadt bekommen. Ich wusste nicht so recht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht. Natürlich war es toll für meine Mutter, jetzt etwas Neues gefunden zu haben, zumal sie wirklich sehr unzufrieden mit ihrem alten Beruf war. Doch für mich war es schon ein großer Schreck, als ich es erfuhr. Allein schon, wenn ich daran dachte, dass ich meine ganzen Freunde verlassen müsste, wurde es mir ganz schlecht. Neuer Job hieß nämlich dann auch für mich neue Schule und neue Klasse. Doch daran konnte ich nun nichts mehr ändern, es würde passieren, unabhängig davon, ob ich es eigentlich wollte oder nicht. Meine Mutter meinte zwar, alles wäre halb so schlimm und ich würde sicher schnell neue Freunde finden und mich einleben, aber mich tröstete das kein bisschen. Wohl oder übel musste ich es über mich ergehen lassen, und es fiel mir nicht unbedingt leicht.

Der Tag des Umzugs war gekommen. Überall in der Wohnung stapelten sich die Umzugskartons. Einige meiner Freunde kamen vorbei, um sich noch von mir zu verabschieden, bevor es losging. Zwar war es nicht die halbe Welt, die uns dann voneinander trennte, aber es reichte, sodass wir uns wahrscheinlich nur noch in den Ferien oder vielleicht auch einmal an einem Wochenende sehen konnten. Die Wohnung sah seltsam aus, so leer und überall nur die vollgestopften Kartons in jedem Zimmer.

Plötzlich klingelte es an der Tür. Die Umzugshelfer waren eingetroffen. Nun hieß es für mich endgültig Abschied zu nehmen, von meinen Freunden und von meinem alten Zuhause. Meine Mutter rief auch schon: „ Milena, kommst du jetzt bitte? Wir haben es eilig!“ Dann ging alles ganz schnell. Ich umarmte meine Freunde, versprach, so bald wie möglich anzurufen, und stieg ins Auto ein.

Nach langer Fahrt kamen wir an. Es war mittlerweile schon dunkel geworden, und in der Finsternis wirkte auf mich alles düster und fremd. Unser eigenes kleines Haus, in dem ich zukünftig mit meiner Mutter leben sollte, stand zwischen zwei großen Mietshäusern. Ich überlegte, ob wohl hinter einem der beleuchteten Fenster jemand in meinem Alter wohnte. Eigentlich war es ja doch ganz interessant, neu in eine Stadt zu kommen, Dinge zu erkunden und zu versuchen, sich zurechtzufinden. Ich beschloss, morgen, da ja Sonntag war, mir meine nähere Umgebung genauer anzusehen, aber jetzt wollte ich erst einmal schlafen, denn ich war ziemlich müde von der langen Fahrt.

Am nächsten Tag wachte ich sehr spät auf. Es dauerte eine Weile, bis mir einfiel, dass wir ja umgezogen waren. Ich stand auf, zog mich an und ging ohne zu frühstücken aus dem Haus. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Bei Helligkeit sah das Ganze gleich viel freundlicher aus und so schlimm, wie ich mir meine neue Heimat vorgestellt hatte, war es gar nicht. Im Gegenteil: Alles erschien mir sehr idyllisch. Die Blumen in den umliegenden Gärten strahlten in ihren prächtigen Farben und Formen. So schön war es in meiner alten Stadt nicht gewesen. Im Gegensatz zu hier hatten wir nämlich dort keinen Garten. Und als ich so die Straße entlangschlenderte, entdeckte ich gleich in der Nähe einen Bäcker und direkt daneben eine Tankstelle und einen Supermarkt. Das war recht praktisch, wenn man bedenkt, dass ich vorher eine gute Viertelstunde mit dem Fahrrad gebraucht hatte, um einzukaufen. Hier schien alles in unmittelbarer Nähe zu sein, denn als ich um die Ecke bog, sah ich auch eine Sparkasse. Ich fragte mich, wo ich wohl in Zukunft zur Schule gehen sollte und ob diese vielleicht hier irgendwo war.

Ich hätte gerne noch ein wenig länger meine Umgebung erkundet, doch mein Hunger zwang mich nach Hause zu gehen. Glücklicherweise fand ich den Weg zurück. Als ich die Haustür öffnete, stolperte ich über mehrere Kartons und meine Mutter rief mich zum Frühstück, das mit einer Flasche Kakao und einem Müsliriegel eher bescheiden ausfiel. Ich fragte meine Mutter, wo ich denn zur Schule gehen solle und sie zeigte mir auf einem Stadtplan die Stelle und riet mir, den Schulweg ausfindig zu machen, denn ich müsse morgen sowieso alleine dort hin, da sie keine Zeit habe. Hastig schluckte ich meinen letzten Bissen hinunter und verließ das Haus erneut.

Mit dem Stadtplan in der Hand lief ich eine schier endlose Straße entlang, die stark befahren war. Die Mietshäuser ringsherum sahen wenig vertrauenerweckend aus und waren schon ziemlich heruntergekommen. Auf der Straße spielten kleine Kinder, die sich offensichtlich selbst überlassen waren. Nun lernte ich also auch die weniger schönen Stadtteile kennen. Ich beschleunigte meine Schritte. Allzu weit konnte es jetzt nach dem Stadtplan nicht mehr sein und tatsächlich: Von weitem erkannte ich ein großes, helles, gut erhaltenes Gebäude, das musste die Schule sein. Der erste Eindruck war sehr positiv und ich beschloss, trotz meiner Bedenken wegen der neuen Lehrer und meiner mir noch unbekannten Mitschüler mich morgen der Herausforderung zu stellen.

Fast zu Hause angekommen, sah ich im Garten des Nachbarhauses ein Mädchen, das ungefähr in meinem Alter zu sein schien. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sprach sie an. Es stellte sich heraus, dass sie genau wie ich neu in der Stadt war und ebenfalls morgen zum ersten Mal in die Schule gehen musste, die auch ich besuchen würde. Ich konnte mein Glück kaum fassen, so ein Zufall!  Wir verabredeten uns gleich für morgen früh, um uns gemeinsam auf den Schulweg zu machen.

Jetzt fühlte ich mich schon viel besser und nicht mehr ganz so fremd und allein.

Milena Wohlleben, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen

 

Vom Außenseiter zum Freund

Ich heiße Lisa und bin 12 Jahre alt. Ich wohne seit drei Wochen in Göttingen und gehe auf das Hainberg-Gymnasium. Es war nicht leicht für mich von zu Hause wegzugehen, aber meine Eltern haben in Frankfurt ihre Arbeitsstelle verloren. Jetzt wohnen wir hier. Es ist eigentlich ganz schön hier, bis auf dass ich am Anfang keine Freunde hatte. In der Schule hat  mich niemand beachtet, und wenn sie es getan haben, dann haben sie nur gelästert. Das tat mir in der Seele weh, denn eigentlich bin ich kein Mensch, der gerne irgendwas alleine macht. Irgendwann habe ich mich dann meiner Klassenlehrerin anvertraut, und die meinte:

„Zeig dich den anderen Mitschülern so wie du bist! Sei nicht schüchtern, denn dann macht es ihnen noch mehr Spaß, dich fertig zu machen.“ Das habe ich dann auch gemacht, war nicht mehr so schüchtern und zeigte ein bisschen Mut. Eines Tages gab es in unserer Klasse eine Schlägerei. Reiner und Heinz haben sich geschlagen, keiner traute sich dazwischenzugehen, denn es waren die Stärksten aus dem Jahrgang. Alle standen um die beiden herum und haben nur gegafft, bis irgendwann Reiner Heinz eins auf die Nase gab. Das Blut tropfte nur so auf den Boden und Heinz hielt sich die Nase und schrie Reiner an: „ Du dreckiges Miststück! Sieh dir mal an, was du angerichtet hast! Meine Nase ist wahrscheinlich gebrochen. Das gibt Rache.“ Heinz drehte sich um und ging. Nach fünf Metern drehte er sich wieder um und rannte auf Reiner zu. Er rannte aus aller Kraft. Reiner hatte das gar nicht bemerkt. Ich stürzte mich auf Reiner, um ihn auf den Boden zu werfen, doch er hat das anders verstanden und verdrosch mich. Am nächsten Tag, als ich wieder in die Schule kam mit den blauen Flecken, kamen ein paar Mädchen auf mich zu und sagten: „ Wir hätten uns nie getraut ,Heinz zu verteidigen, wenn er gegen Reiner kämpft, das war echt mutig von dir. Niemand hätte etwas unternommen, vielleicht nur wenn ein Lehrer vorbeigekommen wäre. Wir hätten niemals gedacht, dass du so mutig sein kannst und dass du dich für Heinz eingesetzt hast, obwohl er dich nur fertig macht und dich bisher nicht leiden konnte. Deshalb haben wir uns gefragt, möchtest du nicht mit uns befreundet sein? Wir würden dich gerne besser kennen lernen.“ Ihr wisst doch sicher, was ich gesagt habe, oder? Natürlich habe ich „ Ja, gerne“ gesagt, was denn auch sonst? Und seitdem bin ich KEIN Außenseiter. Wir sind jetzt alle gemeinsam eine richtig gute Klassengemeinschaft, selbst die Jungen machen jetzt mehr mit den Mädchen und die Mädchen mehr mit den Jungen.

Nadine Riesler, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen 

                                  

Der Unfall

Irgendetwas war anders, als an diesem Tag wie gewöhnlich um 13.05 Uhr das Schallen der Glocke den lang ersehnten Schulschluss ankündigte. Vielleicht lag das flaue Gefühl in seinem

Magen auch nur daran, dass Herbert seit dem Frühstück heute Morgen nichts mehr gegessen hatte, aber als er mit den anderen Kindern aus dem Schulgebäude trat, wusste er irgendwie, das etwas passiert sein musste.

Schneller als sonst machte er sich auf den Heimweg, und als er schon von weitem die geöffnete Haustür und den Polizeiwagen vor dem Haus sehen konnte, packte ihn ein Gefühl grenzenloser Panik. Die letzten hundert Meter bis zum Haus legte er in einem Sprint zurück, doch als er völlig außer Atem durch die Haustür stolperte, wurde er von einem Mann abgefangen, der ihn sanft aber bestimmt in die Küche führte. Im Hintergrund hörte er das Schluchzen einer Frau, und ängstlich fragte er: „ Was ist hier los? Was ist passiert?“

„Ganz ruhig mein Junge, alles wird gut. Setz dich erst einmal hin. Du musst jetzt sehr stark sein. Dein Bruder hatte einen Autounfall....er ist tot.“

Um Herberts Kopf drehte sich alles. Er nahm nur noch das Rot der Küchentapete war, das sich jetzt wie Blut um ihn ergoss. TOT! Er konnte es nicht fassen. Sein Bruder Rüdiger war tot! Er würde nie wieder neben ihm stehen. Sie würden nie wieder zusammen auf der Straße Fußball spielen, sich nie wieder streiten. Nie wieder! Herbert fiel um.

Als er wieder aufwachte, fand er sich in einem großen, weichen Bett wieder. Er schaute sich um, und nach einer Weile erkannte er, dass er im Schlafzimmer von Tante Ingeborg lag. Die Erinnerungen  an die Vorkommnisse der letzen zwei Stunden trafen ihn wie ein Schlag ins Gesicht, und eine grenzenlose Leere breitete sich in ihm aus. Plötzlich war es ihm egal, ob er lebte oder nicht, wo er sich befand und wie sein Leben weitergehen sollte. Als ein Mann ins Zimmer kam und ihm erklärte, dass seine Eltern eine vierwöchige Erholungskur machen würden und dass er in dieser Zeit hier bei seiner Tante leben würde, schaute Herbert den Mann nur an und ließ sich dann wieder ins Kissen zurückfallen.

Die nächste Zeit war wohl die schlimmste seines ganzen Lebens. Nicht dass Tante Ingeborg ihn nicht gut behandelte, so war es nicht. Sie erfüllte ihm alle Wünsche und probierte alles, um ihn irgendwie aufzuheitern oder zu helfen, doch Herbert blieb stumm. Manchmal schloss er sich stundenlang in seinem Zimmer ein und starte Löcher in die Decke, doch das nahm ihm auch nicht das Gefühl, irgendwie nicht mehr in seine Umwelt zu passen. Er hasste das Gefühl sich selbst fremd geworden zu sein, sich selbst nicht mehr zu kennen, und doch konnte er nichts dagegen tun. Oft gab er sich selbst die Schuld an Rüdigers Tod und überlegte fieberhaft, was er hätte tun können, um den Unfall zu verhindern. Das Schlimmste für ihn war aber, das seine Freunde neuerdings so taten, als würden sie ihn nicht mehr kennen. Die Pausen verbrachte er meist alleine und wenn er mittags nach Hause ging, wechselten die Leute die Straßenseite und taten so, als wäre er nicht da

Eines Tages kam eine neue Schülerin in Herberts Klasse. Sie stellte sich der Klasse als Anita vor und setze sich neben Herbert, weil da noch ein Platz frei war. In den Pausen stand sie meist alleine rum und machte einen sehr verlorenen Eindruck.

Da nahm Herbert all seinen Mut zusammen und ging zu dem Mädchen hin. Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut und innerhalb kürzester Zeit waren Anita und Herbert unzertrennliche Freunde geworden.

Zum ersten Mal seit langer Zeit lachte Herbert wieder.  

Simon Böcker, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen


Als ich mich fremd fühlte


Ich heiße Resa. Ich wohne in Hannover und besuche dort ein Gymnasium. Mit meinen  Klassenkameraden verstehe ich mich gut und ich habe viele Freunde. Ich habe ein wunderschön normales Leben, aber es war nicht immer so wie jetzt.
Ich erinnere mich noch genau an die schreckliche Zeit, als ich mich hier fremd fühlte.
Früher wohnte ich in Göttingen - einer nicht allzu großen Stadt in Süd-Niedersachsen. Auch dort besuchte ich ein Gymnasium und genau wie jetzt verstand ich mich gut mit meinen Klassenkameraden und ich hatte viele Freunde.
Nicht nur in der Schule war es schön, ich wohnte mit meinen Eltern in einer tollen großen Wohnung in der Nähe der Innenstadt. Mein Vater war Angestellter und meine Mutter Krankenschwester. Ich ging damals noch in die siebte Klasse. Ich war ein sehr glückliches Kind.
Jeden Tag nach der Schule fragte meine Mutter mich: „Und, wie war’s in der Schule?“ Ich fand es nicht so lustig, dass sie mich immer fragte, schließlich wusste sie, dass es mir in der Schule gut ging, und außerdem, wenn man fünfmal in der Woche gefragt wird „Und, wie war’s in der Schule“, dann nervt es einen schon ein wenig.

Doch an jenem Tag war es anders. Der Tag fing eigentlich ganz normal an – so wie jeder normale Tag eines Schulkindes anfängt.
Um sechs Uhr 30 klingelte mein von mir gehasster Wecker. Stöhnend stieg ich aus meinem warmen Bett und ging ins Bad, um mich zu duschen. Ich zog mich an und frühstückte in der Küche. Da meine Mutter Nachtdienst hatte, schlief sie um diese Zeit, während mein Vater mit mir frühstückte und die Tageszeitung las.
Um 20 nach sieben machte ich mich auf den Weg zur Schule. Dabei musste ich eine viel befahrene Straße überqueren.

Plötzlich hörte ich ein lautes Geschrei, das vom Hinterhof eines kleines Hauses zu mir herüberhallte. Ich wusste, wer in dem Haus wohnte: Es war ein großer Junge aus dem zehnten Jahrgang. Er hatte immer eine Bande kleiner Jungs um sich herum, die ihn wortwörtlich anhimmelten. Eigentlich hieß er Phillip, doch seine Anhänger nannten ihn alle Big P. Ob er so hieß wegen seiner Fettleibigkeit oder weil er für seine Rabauken-Bande der “Größte“ war, wusste ich nicht. Aber ich wusste, dass er zu diesem Zeitpunkt etwas im Schilde führte und dass ich etwas dagegen unternehmen musste.

Im Hinterhof angekommen drängte ich mich durch den Kreis, den einige Jungen gebildet hatten. Sie waren all mindestens einen Kopf kleiner als ich, doch sie beschimpften mich, als sie mich sahen, und versuchten mich wegzuschubsen, aber ich ließ nicht locker und zwängte mich in die vorderste Reihe und sah den verletzten Körper einer jungen Katze.
Abwechselnd warfen die Kleinen  mit Steinen auf das Tier. Ein Stein traf die Katze, die sofort aufschrie, doch wegen eines verletzten Hinterbeins konnte sie nicht fliehen. Da packte mich eine Wut, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte, ich stürzte mich auf den großen Anführer der gemeinen Jungen. Als der mich sah, ließ er erschrocken den Stein aus seiner fleischigen Hand fallen mit der er gerade auf die Katze gezielt hatte, doch dann verfinsterte sich seine Miene sofort wieder.
Gerade als er mich schlagen wollte, hörte er die schnellen und lauten Schritte des wütenden Nachbarn, der sich die Folter aus seinem Fenster angeschaut hatte und sich laut fluchend näherte.
„Rückzug!“, brüllte Big P, und sofort verschwand die ganze Bande. „Feiges Pack!“, schrie ich ihnen hinterher.

„Ist dir irgendwas passiert?“, fragte mich der Nachbar. „Nein, mir geht es gut, aber Sie sollten sich um die arme Katze kümmern“, antwortete ich. Plötzlich fiel mir ein, dass ich in der ersten Stunde eine Chemiearbeit schreiben musste. Ich schaute auf meine Uhr und erschrak, denn es war schon viertel nach acht! „Oh Mann, ich bin spät dran!“, rief ich. „Ich muss sofort zur Schule!“ Und schon lief ich los. „Ich kümmere mich schon um das Tier“, rief mir der Mann noch hinterher.

In der Schule angekommen, lief ich sofort zum Chemieraum, wo meine Klassenkameraden schon an der Arbeit saßen. „Und - wie erklärst du dein verspätetes Auftreten?“, fragte mich Frau Winter, meine Chemielehrerin. „Ich hab verschlafen“, log ich. „Resa, das ist schon das zweite Mal seit den Ferien. Beim nächsten Mal musst du nachsitzen!“, warnte sie mich, „So, jetzt fang aber an, du hast noch eine halbe Stunde Zeit.“
Chemie war und ist noch immer nicht gerade mein Lieblingsfach. Von den zehn Aufgaben schaffte ich gerade mal vier und ich hatte sie bestimmt nicht richtig gemacht.
Der Rest des Schultages schleppte sich langsam voran. In Mathe wäre ich fast eingeschlafen

Als es endlich zum Schulschluss klingelte, lief ich sofort nach Hause und wollte mich einfach nur ins Bett verkriechen.
Zu Hause angekommen stellte ich enttäuscht fest, dass meine Eltern beide nicht da waren. Also würde es auch kein richtiges Mittagessen geben. Ich nahm mir nur einen Apfel und beschloss auf meine Eltern zu warten. Und tatsächlich kamen sie eine halbe Stunde später nach Hause.
„Wo wart ihr so lange?“, fragte ich. Aber beide schauten sich nur traurig an und wollten gerade ins Wohnzimmer verschwinden, da rief ich: “Wartet doch. Was ist denn los?“  „Dein Vater wurde gefeuert.“, sagte meine Mutter matt. „Was?! Aber wieso denn?“
Das, was als nächstes kam, war ganz schön hart für mich. Im Büro meines Vaters ging einiges schief. Seine Firma ging langsam pleite und sein Chef hatte Depressionen. Ständig bekam er Wutanfälle und feuerte immer mehr Angestellte und an dem Tag war mein Vater dran.
„Dann such dir halt eine neue Arbeit“, riet ich ihm. „Und solange können wir doch von Mamas Gehalt leben.“
Doch meine Eltern meinten, meine Mutter verdiene im Moment zu wenig, und in Göttingen gab es keine passende Stelle für meinen Vater.
„Wir müssen umziehen, sonst können wir die Miete bald nicht mehr bezahlen. In Hannover hab ich eine gute Stelle gefunden.“
Hannover. Das ist doch so weit weg!

Drei Monate später saß ich in meinem neuen Zimmer in Hannover. Ich war sehr traurig, denn unsere  Wohnung, meine Schule und vor allem meine Freunde fehlten mir. In meiner neuen Schule war es schrecklich, denn niemand sprach mit mir und in allen Räumen, in denen meine neue Klasse unterrichtet wurde, saß ich allein an einem Tisch.
Die Zeit, in der ich mich fremd fühlte, war gekommen.

Doch jetzt ist es anders.
Mit meinen Klassenkameraden verstehe ich mich inzwischen gut und ich hab schon viele Freunde gefunden. Unsere neue Wohnung ist doch nicht so schrecklich wie erwartet und der neue Chef meines Vaters ist sehr nett.
Kurz gesagt: Ich habe wieder ein wunderschön normales Leben.

Valerie Giefers, Hainberg-Gymnasium, Kl. 8f, Göttingen