Landeskundliches Profil: Ghana  

 

1. Lage und Größe

Ghana grenzt im Norden und Nordwesten an Burkina Faso, im Osten an Togo, im Süden an den Golf von Guinea und im Westen an die Elfenbeinküste. Die ehemalige britische Kolonie (Goldküste) war das erste von einer Mehrheit von Afrikanern regierte afrikanische Land südlich der Sahara, das in die Unabhängigkeit entlassen wurde (1957). Das Land wurde nach dem ehemaligen, weiter im Landesinneren angesiedelten Königreich von Ghana benannt, aus dem die Vorfahren der heutigen Landesbewohner eingewandert sind. Die Gesamtfläche Ghanas beträgt 238 500 Quadratkilometer. Die Hauptstadt des Landes ist Accra. Ghana hat etwa 20,5 Millionen Einwohner (2003), woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 86 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. Die am dichtesten besiedelten Teile des Landes sind die Küstengebiete, das Ashanti-Hochland im südlich-zentralen Teil und die beiden großen Städte Accra und Kumasi. 70 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in der südlichen Hälfte des Landes.

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2. Klima- und Vegetationszonen

Ghana hat tropisches Klima, aber die Temperaturen variieren mit der Entfernung von der Küste und der Höhenlage. Außer in den nördlichen Landesteilen gibt es zwei Regenzeiten (April bis Juni und September bis November). Die jährlichen Niederschläge erreichen im Norden 1 015 Millimeter und im Süden 2 030 Millimeter. Der Harmattan, ein trockener Wüstenwind, bläst von Dezember bis März aus Nordosten; er mindert die hohe Luftfeuchtigkeit und bringt heiße Tage und kalte Nächte im Norden. Im Süden ist der Einfluss des Harmattans im Januar spürbar. In den meisten Gegenden werden die höchsten Temperaturen im März, die niedrigsten Temperaturen im August gemessen. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 26,1 °C.
Ghana ist mit Ausnahme einer Hügelkette an der Ostgrenze ein flaches Land. An die Sandküste schließt sich die Küstenebene an, die von mehreren, im Allgemeinen nur von Kanus befahrbaren Flüssen durchzogen wird. Im Westen besteht das Gelände aus stark bewaldeten Hügeln und ist durch viele Flüsse gegliedert. Im Norden liegt eine sanft gewellte Savannenlandschaft, die vom Schwarzen und Weißen Volta entwässert wird. Beide Flüsse vereinigen sich zum Volta, der Richtung Süden durch einen Engpass zwischen beiden Hochlandzonen zum Meer fließt. Der Voltastausee im Osten ist einer der größten künstlich angelegten Seen der Welt. Die höchste Erhebung des Landes (884 Meter über dem Meeresspiegel) liegt im östlichen Hügelland.

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3. Bodennutzung und Hauptanbaufrüchte

Das bedeutendste Agrarprodukt für den Export ist Kakao, der vorwiegend in der Ashanti-Region in Kleinbetrieben gewonnen wird. Ghana ist weltweit das drittgrößte Anbauland von Kakao. In den siebziger Jahren war die Produktion auf Grund der Überalterung der Bäume und der niedrigen Erzeugerpreise zurückgegangen. Durch Sanierungsprogramme und eine Anhebung der Erzeugerpreise stieg die Produktion in den achtziger Jahren wieder an. Weitere wichtige Exportprodukte sind Kaffee, Palmkerne, Lamynüsse, Kokosnussöl, Kopra (siehe Kokosnuss), Bananen, Erdnüsse, Kolanüsse, Palmöl und Tabak; im Südwesten wurden Kautschukbäume gepflanzt.

Für den Eigenbedarf werden im Süden in erster Linie Maniok, Palmkerne, Palmöl, Mais, Kochbananen, Erdnüsse und Yams produziert. Weitere Anbaufrüchte sind Ölfrüchte, Baumwolle, Tabak und Reis. Der Sheabutterbaum, aus dessen Samen die Sheabutter gewonnen wird, ist im Norden, wo auch Yams, Hirse und Mais angebaut werden, weit verbreitet. Im Nordosten werden Erdnüsse und Langbohnen angebaut. In der Küstenregion werden Kokosnüsse, Kaffee, Bananen und Zitrusfrüchte geerntet.

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4. Wirtschaft

Die Wirtschaft Ghanas stützt sich auf wenige Produkte aus Landwirtschaft und Bergbau. 62 Prozent der Erwerbstätigen Ghanas sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In der verarbeitenden Industrie arbeiten 10 Prozent und im Dienstleistungsgewerbe 28 Prozent. Staatliche Misswirtschaft und andere Probleme führten das Land Anfang der achtziger Jahre an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Drastische Wirtschaftsreformen führten zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum. Trotzdem gehört Ghana zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 5 301 Millionen US-Dollar (2001; Dienstleistungen 38,9 Prozent, Industrie 25,2 Prozent, Landwirtschaft 35,9 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 270 US-Dollar.

Die wichtigsten Bodenschätze Ghanas sind Gold, Silber, Eisen, Manganerze, Bauxit und Diamanten.

Ghana hat im Vergleich zu den meisten afrikanischen Ländern eine relativ gut entwickelte Industrie. Die Betriebe sind im Allgemeinen klein. Es gibt zahlreiche Druckereien und Verlage sowie eine Reihe von Sägewerken und Möbelherstellern. In größerem Umfang werden vorwiegend Bier, Zigaretten, nichtalkoholische Getränke, Speiseöle, Nägel, Sauerstoff und Acetylen sowie Aluminiumfolien produziert. In Tema, einem wichtigen Industriestandort und Hafen östlich von Accra, ist eine Erdölraffinerie angesiedelt. Eine Aluminiumhütte, die mit Energie aus den Wasserkraftwerken am Volta versorgt wird, produziert große Mengen an Metall. Weitere Industrieprodukte sind Textilien, Schuhe, Eisen und Stahl, Zucker, Mehl und Glas. Mitte der achtziger Jahre wurde ein groß angelegtes Privatisierungsprogramm eingeleitet.

Ghanas Hauptexportgüter sind Gold, Kakao und Nutzholz. Importiert werden in erster Linie Rohstoffe, Maschinen und Nahrungsmittel. Seit der Unabhängigkeit ist die Handelsbilanz im Allgemeinen defizitär. Wichtigste Handelspartner sind Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland.

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